ADHS oder Schlafmangel?

ADHS oder ADSHinter einigen Diagnosen von ADHS, inzwischen der häufigsten Störung im Kinder- und Jugendalter, steckt möglicherweise eine andere Ursache. Wenn Kinder zuwenig schlafen, nachts häufig aufwachen und dann tagsüber übermüdet sind, verhalten sie sich ähnlich wie Kinder mit der ADHS-Störung. Sie können sich nicht konzentrieren, sind unaufmerksam, träumen viel und reagieren unangemessen. In der Schule verpassen sie wichtigen Lernstoff und ihre Noten werden schlechter. Ursache für ihr Verhalten ist dann allerdings der Schlafmangel, nicht AD(H)S.

Dänischer Kinderpsychiater warnt vor falscher ADHS Diagnose

Zu diesen Erkenntnissen kommt eine dänische Übersichtsstudie. Der Kinderpsychiater Hvolby warnt daher: Vor einer Verschreibung von Ritalin oder Methylphenidat müsse unbedingt abgeklärt werden, ob das betroffene Kind gut schläft. Da die Symptome sich ähneln, seien Fehldiagnosen nicht ausgeschlossen.

Atemprobleme machen Schlafprobleme

Schon Kinder können durch verschlossene Atemwege nachts schnarchen und Atemprobleme haben. Atemstörungen, auch Schlafapnoe genannt, führen zu einem häufigen Aufwachen. Diese Unterbrechungen des Tiefschlafs beeinträchtigen die Schlafqualität und können in der Folge zu Konzentrationsstörungen führen, die mit ADHS verwechselt werden. Auch das Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) verursacht Konzentrationsstörungen durch eine nächtliche Verengung der Atemwege. Das Atmen wird dann so anstrengend, dass von Erholung im Schlaf keine Rede mehr sein kann.

Schon 2010 warnten US-Forscher vor Fehldiagnosen bei ADHS

Die Wissenschaftler der Michigan State University haben Daten einer US-Stichprobe mit 12 000 ehemaligen Kindergarten-Kindern untersucht, teilt die Universität mit. In den USA sind Kindergärten fast immer Grundschulen angegliedert. In der sogenannten Klassenstufe „K“ werden dabei Grundfertigkeiten etwa im Lesen und Rechnen vermittelt. Verhaltensauffälligkeiten wie Unaufmerksamkeit oder nicht still sitzen können seien bei den jungen Kindern aber wahrscheinlich nicht einer Erkrankung geschuldet, sondern dem jüngeren Lebensalter, so die US-Forscher.

In der Vorschule waren in der Gruppe der Jüngeren 60 Prozent mehr ADHS-Diagnosen gestellt worden als in der Gruppe der Älteren. Ähnlich verhielt es sich bei den Kindern, die die fünfte und die die achte Klasse erreicht hatten. Hier waren die ADHS-Therapien bei den Jüngsten etwas doppelt so häufig wie bei den Ältesten.

Ein Fünftel der amerikanischen Kinder falsch ADHS diagnostiziert?

Insgesamt schätzen die Forscher aus ihren Daten, dass bei etwa einem Fünftel der 4,5 Millionen Kinder mit ADHS in den USA die Diagnose falsch gestellt sein könnte. In einer Studie an der North Carolina State University ist man zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.