AD(H)S in der Pubertät

AD(H)S in der Pubertät
Klarkommen trotz AD(H)S

AD(H)S in der Pubertät: Plus + Minus

Die Pubertät geistert als Schreckgespenst im Entwicklungsprozess durch die Medien. Jugendliche werden als Monster oder Kakteen bezeichnet, es gibt den Überlebensbrief für Eltern und Szenarien von Schulversagen, Drogenexperimenten und kriminellen Ausflügen werden beschworen. Die Angst vor der Pubertät ist groß und wird kräftig geschürt. Das funktioniert, weil Eltern immer weniger Erfahrung in der Erziehung von Kindern haben, schließlich sinkt die Geburtenrate seit langem.


Pubertät: Augen zu und durch

Die Unsicherheit und Angst vor der Veränderung sind ein guter Nährboden für für Horrorszenarien. Viele Eltern erwarten in einer Art Schockstarre den Entwicklungsabschnitt ihrer Kinder, in dem ihre “Gehirne umgebaut” werden, sie “aus dem Ruder laufen” und “auf die schiefe Bahn” geraten. Dabei verläuft bei der überwiegenden Mehrzahl der Jugendlichen die Pubertät releativ unspektakulär. Die notwendigen Auseinandersetzungen mit den Eltern sind heftig, aber lehrreich für beide Seiten. Die Raupe Kind verpuppt sich und entsteigt nach einer Zeit der Persönlichkeitsentwicklung als Schmetterling der Reifungsphase.

Dabei gehören Erfahrungen mit der ersten Liebe, Alkohol, Joints, schlechte Noten, eine enge Bindung an Freunde und die ständige Auseinandersetzung über Rechte und Pflichten mit den Eltern zum Gesamtpaket. Zwischen 12 und 18 Jhren durchlaufen Kinder und Eltern einen Prozess, der für ein späteres, selbstbestimmtes und erfülltes Leben unverzichtbar ist. Die Pubertät ist eine Herausforderung und eine Chance für Kinder und Eltern, sich zu entwickeln und die enge Beziehung auf neue Grundpfeiler zu stellen.

Auch AD(H)Sler werden erwachsen

All das gilt auch für Jugendliche mit AD(H)S, denn auch sie müssen reifen und sich darauf vorbereiten, ihr Leben selber zu gestalten. Dieser Prozess kann jedoch intensiver, impulsiver und ungebremster sein. Die Pubertät dauert in der Regel länger und setzt gerade bei einer begleitenden Medikation oft später ein. Die AD(H)S Jugendlichen brauchen länger Unterstützung als Jugendliche ohne die Störung.


Generell kommen besonders die mit Medikamenten behandelten Kinder mit AD(H)S häufig später in die Pubertät, bleiben länger kindlich und wachsen langsamer, jedoch ohne Auswirkungen auf die endgültige Körpergröße. Den Jugendlichen mit der AD(H)S mangelt es dann oft an Selbstbewusstsein, altersentsprechendem Reflexionsvermögen und sie beharren weiterhin stark auf ihrer eigenen Sichtweise des Alltages. Das macht den Umgang mit ihnen nicht leicht. Auch andere Verhaltensweisen wie das starke Gerechtigkeitsempfinden, Schwierigkeiten mit dem Akzeptieren von Autoritäten oder gelegentliche Wutausbrüche und mangelnder Antrieb erschweren ein harmonisches Zusammenleben. Erschwerdend kommt eine höhere Suchtgefährdung und vermutlich eine Neigung zu depressiven Verstimmungen hinzu.


Die Störung (ver)wandelt sich

AD(H)S wächst sich bei den meisten Betroffenen nicht aus, wie anfangs von vielen Fachleuten und Experten vermutet wurde. Nicht selten wird sie sogar erst in der Pubertät erkannt und diagnostiziert, besonders bei hypoaktiven, stillen Mädchen. Die komplexe Störung verändert sich in der aufregenden Lebensphase der Pubertät, die eventuell vorhandene äußere Unruhe wendet sich häufig nach innen. Eine latente Rast- und Ruhelosigkeit macht es den Jugendlichen schwer sich selbst zu organisieren, familiäre Beziehungen und soziale Kontakte konfliktfrei zu gestalten.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen das Syndrom mit der Pubertät langsam verschwindet und auch verschwunden bleibt. Begründet wird diese Entwicklung (in beide Richtungen) mit dem Umbau des Dopamin-Hausaltes in der Pubertät. Manche Kinder, die jahrelang Medikamente bekommen haben, können die Therapie langsam beenden und ihr Verhalten selber positiv steuern. Super, wenn die Entwicklung so verläuft. Eltern, Kinder und Jugendliche sollten immer wieder überprüfen, wie der Alltag ohne Medikamente funktioniert. Für alle anderen bleibt die Problematik unverändert oder abgeschwächt bestehen und begleitet die jungen Menschen weiter.

Eine positive Sichtweise hilft

Doch die Phase der Pubertät ist für Betroffene auch eine Chance, sich jetzt bewusster mit ihrem Verhalten auseinandersetzen zu können. Die aktive Selbststeuerung, die Kindern noch enorm schwer fällt, wird einfacher. Strategien und Hilfen können besser verstanden und angewendet werden. Jugendliche mit AD(H)S können nun langsam lernen, sich selber besser zu steuern.