Wenn es Anfang November früh dunkel wird, ziehen in vielen Orten Kinder mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen. Für Grundschulen ist das Martinsfest einer der wenigen Termine im Jahr, an dem Kinder, Eltern, Lehrkräfte und oft auch Nachbarn zusammenkommen. Damit der Abend für alle schön wird, steckt dahinter mehr Planung, als man von außen sieht. Oft übernehmen Elternbeirat oder Förderverein einen großen Teil davon. Dieser Fahrplan hilft dir, nichts Wichtiges zu vergessen, auch wenn du das Fest zum ersten Mal mitorganisierst.
Warum das Martinsfest in der Schule mehr ist als ein Umzug
Die Legende ist schnell erzählt. Martin, ein römischer Soldat, teilt an einem kalten Abend seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Später wird er Bischof von Tours. Sein Gedenktag ist der 11. November. Für Kinder steckt in dieser Geschichte eine Botschaft, die sie sofort verstehen: Teilen hilft, auch wenn man selbst nicht alles hergibt.
Im Unterricht lässt sich daraus viel machen. Die Legende ist ein guter Anlass für Nacherzählungen, Bildergeschichten oder ein kleines Rollenspiel. Beim Laternenbasteln üben Kinder Feinmotorik und Geduld, und ganz nebenbei lernen sie, eine Bastelanleitung Schritt für Schritt zu lesen. Viele Kinder können die Martinslieder nach ein paar Wochen komplett auswendig. Mitfeiern können dabei alle Kinder, auch wenn ihre Familien nicht christlich sind. Viele Schulen stellen deshalb das Teilen und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt und erzählen die Legende als Geschichte, nicht als Glaubensfrage.
Sechs Wochen vorher: Wer übernimmt was?
Der häufigste Fehler beim Martinsfest ist, dass alle davon ausgehen, jemand anderes kümmere sich schon. Ein kurzes Treffen Ende September oder Anfang Oktober spart später viele Nachrichten in der Elterngruppe. Diese Aufgaben solltet ihr verteilen:
- Absprache mit der Schulleitung über Termin, Uhrzeit und die Nutzung von Schulhof und Aula
- Umzugsroute und Kontakt zur Gemeinde, zur Polizei oder zur Feuerwehr, je nachdem, wer bei euch zuständig ist
- Die Rolle des heiligen Martin, etwa ein Reiter mit Pferd, eine Lehrkraft im roten Mantel oder ein verkleideter Vater
- Musik, etwa eine Bläsergruppe aus dem Musikverein, eine Gitarre oder ein Lautsprecher mit den Liedern
- Verpflegung, Stände, Aufbau und Abbau
- Spendenaktion und Information an alle Familien
Hilfreich ist eine einfache Liste mit Namen und Handynummern, die am Abend alle Helfenden dabeihaben. Wenn um halb sechs der Punsch fehlt, will niemand erst in der Gruppe fragen, wer den Schlüssel zur Schulküche hat.
Laternen basteln im Unterricht oder zu Hause?
Ob die Laternen in der Schule oder zu Hause entstehen, ist an vielen Schulen eine kleine Grundsatzfrage. Im Unterricht basteln alle mit denselben Materialien, und niemand kommt mit einer gekauften Laterne, während andere stolz ihr wackeliges Kunstwerk tragen. Zu Hause können Familien gemeinsam basteln, was viele Kinder lieben. Für den Elternbeirat ist vor allem wichtig, dass die Kosten für niemanden zur Hürde werden. Wenn der Förderverein Transparentpapier, Käseschachteln und Laternenstäbe in großer Menge einkauft, wird es für alle günstiger, und keine Familie muss nachfragen.
Echte Kerzen in Papierlaternen sind schön, aber riskant. Ein Windstoß oder ein stolperndes Kind genügt, und die Laterne fängt Feuer. Elektrische Laternenstäbe sind deshalb die sicherere Wahl, und viele Schulen setzen nur noch auf sie. Packt trotzdem ein paar Ersatzbatterien und zwei, drei Reservestäbe ein. Irgendein Licht geht an diesem Abend immer aus, meistens genau dann, wenn das erste Lied beginnt.
Kinder in die Planung einbeziehen
Ein Martinsfest muss nicht komplett von Erwachsenen vorbereitet werden. Gerade ältere Grundschulkinder übernehmen gern Verantwortung, und vieles davon passt gut in den Unterricht. Eine dritte oder vierte Klasse kann zum Beispiel die Einladung an alle Familien schreiben. Dabei üben die Kinder, das Wichtigste knapp und verständlich zu formulieren: Wann geht es los, wo treffen wir uns, was bringen wir mit?
Auch die Mathematik kommt nicht zu kurz. Wie viele Becher Punsch brauchen wir, wenn 180 Kinder und ungefähr ebenso viele Erwachsene kommen? Wie viele Weckmänner bestellen wir, wenn jedes Kind einen bekommt und zehn als Reserve dazukommen? Solche Sachaufgaben haben einen echten Anlass, und das Ergebnis wird am Abend tatsächlich gebraucht.
Bewährt haben sich außerdem Laternenpatenschaften. Kinder aus den höheren Klassen gehen beim Umzug neben den Erstklässlern, helfen beim Einschalten des Laternenstabs und singen die Lieder mit. Für die Kleinen ist das eine große Hilfe, für die Großen ein Stück Verantwortung, auf das sie zu Recht stolz sind. Schreibt außerdem den Namen des Kindes auf die Innenseite jeder Laterne. Am Ende des Abends stehen sonst zwanzig fast gleiche Laternen nebeneinander.

Eine kurze, helle und gut begleitete Route
Für Grundschulkinder reichen 20 bis 30 Minuten Umzug völlig aus. Kleinere Geschwister sind danach müde, und auch die Großen frieren bei Novemberwetter schneller, als man denkt. Die Route sollte möglichst über ruhige Straßen und Wege führen, mit wenigen Kreuzungen und ohne längere Abschnitte im Stockdunkeln. Geht die Strecke vorher einmal bei Dunkelheit ab. Bei Tageslicht sieht vieles harmloser aus, als es am Abend ist.
Für die Sicherheit braucht ihr genug Erwachsene am Rand des Zuges. Bewährt haben sich Helferinnen und Helfer in Warnwesten an der Spitze, am Ende und an jeder Kreuzung. Vereinbart einen festen Treffpunkt für Kinder, die ihre Eltern aus den Augen verlieren, und sagt ihn vor dem Start laut an. Ob für den Umzug eine Genehmigung oder eine Begleitung durch Polizei oder Feuerwehr nötig ist, regeln Gemeinden unterschiedlich. Fragt deshalb rechtzeitig nach, am besten schon bei der Terminplanung.
Martinsfeuer, Punsch und Weckmänner
Am Ziel wartet in vielen Orten ein Martinsfeuer. Wer selbst eines plant, sollte früh mit Gemeinde und Feuerwehr klären, ob und unter welchen Bedingungen das möglich ist. Gibt es kein Feuer, ist der Schulhof mit Lichterketten und den abgestellten Laternen ein ebenso schöner Abschluss. Dazu gehört das Martinsgebäck, das je nach Region Weckmann, Stutenkerl, Martinsbrezel oder Martinshörnchen heißt. Viele Bäckereien liefern auch größere Mengen, wenn ihr früh genug bestellt.
Beim Punsch gibt es ein paar praktische Fragen. Für die Kinder gibt es natürlich alkoholfreien Punsch, und ob für Erwachsene Glühwein ausgeschenkt wird, entscheidet die Schule. Mehrwegbecher mit Pfand sparen Müll und gehen seltener verloren. Ein gut sichtbarer Zettel mit Zutaten und Allergenen am Gebäckstand erspart euch viele Rückfragen.
Weil es im November gern regnet oder nieselt, gehören Punsch und Gebäck unter ein Dach. Viele Fördervereine leihen sich dafür Jahr für Jahr Pavillons beim Sportverein. Wer ohnehin Sommerfest, Einschulung, Sponsorenlauf und Adventsbasar ausrichtet, kann über eine eigene Anschaffung nachdenken. Faltpavillons in verschiedenen Größen gibt es zum Beispiel bei zeltpro.de. Für einen Punschstand mit zwei Tischen reicht je nach Aufbau meist ein Pavillon von drei mal drei Metern.
Plant den Aufbau der Stände so, dass er noch bei Tageslicht fertig ist. Im November wird es schon gegen fünf Uhr dunkel, und Pavillons, Tische und Kabel lassen sich im Hellen deutlich leichter aufstellen. Für den Punsch eignen sich große Getränkespender mit Zapfhahn oder Thermobehälter aus der Schulküche. Klärt außerdem mit dem Hausmeister, wo es draußen Strom gibt und wer die Verlängerungskabel hat.
Plan B, wenn das Wetter nicht mitspielt
Leichter Regen gehört zum Martinsfest dazu, Sturm nicht. Legt vorher fest, wer am Tag entscheidet, ob der Umzug stattfindet, und wie alle Familien kurzfristig informiert werden. Eine Ausweichlösung kann ein kürzerer Weg rund um das Schulgelände sein oder ein gemeinsames Singen in der Aula mit anschließendem Gang über den Schulhof.
Auf einem gepflasterten Schulhof halten keine Heringe. Pavillons müssen dort an jedem Fuß mit Gewichten gesichert werden, und bei stärkerem Wind baut ihr sie rechtzeitig ab, statt auf Glück zu hoffen. Haltet euch dabei an die Angaben des Herstellers. Seitenwände auf der Wetterseite halten Nieselregen von den Tischen fern und machen den Stand an einem kalten Abend deutlich gemütlicher. Kabel für Lichterketten oder Warmhalteplatten sollten nicht durch Pfützen laufen und keine Stolperfallen bilden.
Teilen als roter Faden
Was wäre das Martinsfest ohne den Gedanken des Teilens? Viele Schulen verbinden den Abend mit einer Sammelaktion. Passend zur Legende bietet sich eine Sammlung gut erhaltener Winterjacken, Mützen und Handschuhe für eine Kleiderkammer an. Auch haltbare Lebensmittel für die örtliche Tafel oder eine Spendenbox für ein Projekt, das die Klassen gemeinsam auswählen, sind gute Ideen.
Wichtig ist, dass die Kinder verstehen, wofür sie sammeln. Wenn eine Klasse vorher besprochen hat, wer die Jacken bekommt, erzählen die Kinder zu Hause davon, und die Kiste am Schultor füllt sich deutlich schneller. Achtet darauf, dass die Aktion niemanden unter Druck setzt. Mitmachen sollte freiwillig sein und auch mit kleinen Beiträgen gut funktionieren.
Nach dem Fest ist vor dem Fest
Am Abend selbst denken die wenigsten schon an das nächste Jahr. Ein paar Tage später lohnt sich aber eine kurze Runde: Was hat geklappt, was war zu knapp, wo hat es gehakt? Haltet die wichtigsten Punkte schriftlich fest, zusammen mit Kontakten, Mengen und Kosten. Wie viele Weckmänner wurden gebraucht, wie viel Punsch blieb übrig, wer hat die Musik gemacht? Diese Übergabe ist Gold wert, denn Elternbeiräte wechseln, und sonst fängt mit jedem neuen Jahrgang wieder jemand bei null an.
Auch die Fotos gehören dazu. Klärt vorher, ob und wo Bilder veröffentlicht werden dürfen, und haltet euch an die Regeln eurer Schule. Ein kleiner Rückblick im Elternbrief mit ein, zwei freigegebenen Bildern zeigt allen, was gemeinsam entstanden ist.
Das Martinsfest ist kein aufwendiges Großereignis. Es ist aber einer der Abende, an die sich Kinder noch Jahre später erinnern, an die eigene Laterne, an das Lied in der Kälte und an den warmen Becher Punsch am Ende. Wenn die Planung auf mehreren Schultern liegt, bleibt auch den Erwachsenen Zeit, diesen Abend zu genießen.