Logische Konsequenz – 10 Beispiele aus meinem Erziehungsalltag

Im Erziehungsalltag läuft längst nicht alles reibungslos. Je nach Alter und Temperament können Kinder und Jugendliche die Nerven der Eltern ganz schön strapazieren. Um die Regeln der Familie im Umgang mit Gegenständen und Menschen effektiv umzusetzen, sind logische Konsequenzen notwendig. So lernen Kinder Grenzen kennen, die ihnen im Umgang mit sich und anderen helfen.

logische Konsequenzen
Fehlverhalten sollten Sie nicht aus Bequemlichkeit ignorieren

Strafen / logische Konsequenz: So finden Sie das richtige Maß

Kinder testen immer wieder Grenzen aus, versuchen ihren Willen durchzusetzen und möchten die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten. Gelingt ihnen dies nicht, reagieren sie je nach Situation und Temperament mit Wutanfällen, Trotzattacken oder verbalen Angriffen. Im Erziehungsalltag kann das ganz schön anstrengend werden, aber ignorieren dürfen Sie dieses Verhalten nicht, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Kinder sind sich selbst der nächste

Nils kann schlecht verlieren und kippt mitten im Spiel alle Figuren um, so dass alle enttäuscht sind und das Spiel zumindest unterbrochen werden muss. Ella stibitzt sich wiederholt Schokolade aus der Küchenschublade und Maximilian und Lena streiten sich im Flur so laut, dass das Baby aufwacht und schreit. In all diesen Fällen reagieren die Kinder egoistisch und kümmern sich nicht um die Belange der anderen. Sie folgen ihrem Gefühl und denken nicht über die Konsequenzen nach. Das ist eigentlich ganz normal, und wenn es nicht Regeln und Gesetze gäbe, würden wir Erwachsenen uns wahrscheinlich ebenso verhalten. Doch wir haben irgendwann gelernt, dass ein harmonisches Zusammenleben nur gelingt, wenn alle zufrieden sind. Aber wie reagiert man richtig?

logische Konsequenzen
Ich war es nicht!

Darf der Kochlöffel auf den Po?

Es gehört in der Erziehung schon ein großes Maß an Fingerspitzengefühl dazu, Kindern Schritt für Schritt die Regeln des Zusammenlebens in der Familie und der Gesellschaft zu vermitteln. Es ist noch gar nicht solange her, dass körperliche Gewalt ein anerkanntes Erziehungsmittel gewesen ist. Diese Zeiten sind aber Gott sei Dank vorbei, denn inzwischen ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Der §1631 II BGB (November 2002) besagt: “Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Was ist eine logische Konsequenz?

Es ist fast schon eine kleine Wissenschaft für sich, für jedes Vergehen eine sinnvolle Strafe zu finden. Schließlich soll eine Strafe gerecht sein und keine Angst hervorrufen. Wobei das Wort Strafe besser durch die Bezeichnung logische Konsequenz ersetzt werden sollte. Schließlich geht es bei der Strafe nicht darum dem anderen weh zu tun oder die elterliche Macht zu demonstrieren, sondern es soll das fehlerhafte oder problematische des Verhaltens des Kindes aufgedeckt werden. Möglichst so, dass ein Kind diesen Fehler kein zweites Mal begeht. Sinnvoll sind also nur Konsequenzen, die sich direkt auf das unerwünschte Verhalten des Kindes beziehen. Eine Strafe darf das Kind nicht „klein machen“ sowie körperlich oder seelisch verletzen.

Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind wirklich etwas Unerlaubtes getan hat

Strafen oder logische Konsequenzen sind nur dann wirkungsvoll, wenn sie sich auf ein falsches Verhalten beziehen. Daher gehört neben der Überlegung, ob eine Strafe überhaupt angemessen ist, auch die folgenden Fragen:

  1. Sind Sie ganz sicher, dass Ihr Kind wirklich der “Täter” ist?
  2. Sind Sie ebenso sicher, dass Ihr Kind sich seines Fehlverhaltens wirklich bewusst ist?
  3. Sind Sie sicher, dass Ihr Kind nicht vielleicht gar nicht anders handeln konnte?
  4. Kennen sie wirklich alle Fakten des Vorgangs, oder gibt es noch ungeklärte Fragen?
  5. Hat Ihr Kind Gelegenheit gehabt, sich zu dem Vorwurf oder dem Vergehen zu äußern?
  6. Haben Sie Ihrem Kind die Gelegenheit gegeben, sein Fehlverhalten selber wiedergutzumachen?

Erst wenn Sie diese Fragen alle beantwortet haben, sollten Sie in Betracht ziehen Ihr Kind angemessen, also mit einer logischen Konsequenz, zu bestrafen. In den oben genannten Beispielen könnte das so aussehen:

Beispiel Nils

Nils, der beim Spiel mit Freunden oder der Familie immer wieder alle Figuren wütend auf die Erde schmeißt, sobald er verliert, könnte wie folgt behandelt werden:

Nils muss jedes Mal die Figuren aufsammeln, das Spiel ordentlich einordnen und wegräumen.
Nils wird vom aktuellen Spiel ausgeschlossen während die andern bis zum Ende weitermachen.
Nils wird beim nächsten Mal nicht mehr gefragt, ob er mitspielen möchte.

Es gibt immer auch eine humorvolle oder unerwartete Variante, die jedoch viel Selbstbeherrschung und eine gewisse Distanz voraussetzt.

Jedesmal wenn Nils die Spielfiguren von Tisch wirft, stimmen alle Mitspieler ein lustiges Lied an. Dadurch, dass Nils die anderen nicht aus der Ruhe bringen kann, sondern sogar noch zum Singen animiert, gelingt es ihm möglicherweise sein eigenes Verhalten auch mit Humor zu betrachten und kritisch zu hinterfragen.

Beispiel Ella

Ella, die sich verbotener Weise immer wieder Schokolade aus der Küchenschublade nimmt, muss lernen anderen nichts zu stehlen. Das könnte wie folgt funktionieren:

Ella bekommt beim Essen keinen Nachtisch, weil sie ja schon Schokolade hatte.
Ellas Bruder (Schwester) bekommt an diesem Tag eine Tafel Schokolade geschenkt, Ella aber nicht.
Ella muss die entwendete Schokolade von ihrem Taschengeld neu kaufen.

Humorvolle oder unerwartete Variante:

Ella wird zum Familien-Sheriff ernannt. Sie ist ab jetzt dafür zuständig, dass sich alle in der Familie an die Regeln halten sollen. Sie bekommt einen Sheriff-Stern und die Befugnis, „Täter“ bei der Familienpolizei zu melden. Begründung: Ella weiß ja am besten, wie Diebe vorgehen und kann sie daher schnell fangen. So wird ihr Verhalten gespiegelt und sie kann es kritisch überdenken.

Beispiel Max und Ella

Maximilian und Lena, die sich ohne Rücksicht auf ihr schlafendes Geschwisterchen laut streiten, sollen lernen, dass die Ruhezeiten in der Familie einen Sinn haben. Das kann so funktionieren:

Weil das Baby nun wach ist, kann ihre Mutter den beiden großen nicht mehr vorlesen oder etwas mit ihnen spielen. Sie muss sich um das Baby kümmern. Das macht sie traurig.
Maximilian und Lena müssen in getrennte Zimmer gehen, damit sie sich nicht weiter streiten können. Das finden Sie langweilig, weil sie nun keinen Spielpartner mehr haben.
Maximilian und Lena müssen auf das nun aufgewachte Baby aufpassen, während ihre Mutter das Essen zubereitet.

Humorvolle oder unerwartete Variante:

Wenn Maximilian und Lena wieder ruhig spielen, fangen die Eltern im Kinderzimmer laut an zu diskutieren, singen, streiten etc., so dass die Kinder sich nicht konzentrieren können. So wird ihnen in humorvollerweise ihr Verhalten gespiegelt und sie können es kritisch überdenken.

Mein Tipp:

Übernehmen Sie keine Strafe ungeprüft, ohne sich zu fragen, ob Ihr Kind den Sinn nachvollziehen kann. Jedes Kind ist anders und braucht eine ganz individuelle Reaktion auf fehlerhaftes Verhalten. Außerdem sollten Sie nicht nachtragend sein und Ihrem Kind jeden Tag eine neue Chance geben, sich richtig zu verhalten.

10 Beispiele für logische Konsequenzen

Fehlverhaltenlogische Konsequenz
Kind will nicht aufräumen.Kaufen Sie keine neuen Spielsachen und weigern Sie sich, im Kinderzimmer etwas zu spielen, solange Ihr Kind nicht konkrete Aufräumaufträge ausführt, z.B. „Alle Bücher kommen ins Regal.
Kind will Aufgaben nicht erledigen.Weigern Sie sich ebenfalls direkt, eine Aufgabe für das Kind zu erledigen (z.B. Essen kochen, ein Spielzeug suchen, zum Sport fahren).
Kind will keine Hausaufgaben machen.Die vereinbarte Hausaufgabenzeit soll das Kind „absitzen“, spielen darf es erst danach. Ruhig mal ohne Hausaufgaben in die Schule schicken und die Lehrerin informieren. Fensehen oder PC nicht gestatten, bis die Hausaufgaben erledigt sind.
Kind beschimpft und beleidigt Sie.Brechen Sie Gespräche sofort ab, diskutieren sie auf keinen Fall. Gut ist, wenn es an etwas nicht teilnehmen darf, was gerade geplant war, z.B. Kuchen backen.
Kind ist unpünktlich.Stellen Sie klar, dass Ihr Kind bei der nächsten Verabredung um genau die Zeit früher da sein muss, die es diesmal zu spät gekommen ist.
Kind isst nicht, mäkelt am essen herum.Nehmen Sie Ihrem Kind den Teller weg und beenden Sie seine Mahlzeit. Bis zum nächsten geplanten Essen sollte es keine Nahrungsmittel und keine Süßigkeiten bekommen.
Kind tritt und haut aus Wut oder Zorn.Treten oder hauen Sie auf keinen Fall zurück, sondern klären Sie die Ursache. Schließen Sie dann das Kind vom Geschehen solange aus (ins Zimmer schicken), bis es sich entschuldigt. Wenn Ihr Kind erkennt, dass ihm sein Verhalten nur selber schadet, wird es damit aufhören.
Kind zerstört absichtlich etwas.Das zerstörte Teil wird vom Taschengeld ersetzt, zumindest teilweise. Das entsprechende Spielzeug wird für mindestens einen Tag weggenommen.
Kind stiehlt etwas.Für den Diebstahl muss sich das Kind beim Bestohlenen entschuldigen und den Verlust vom Taschengeld ersetzen.
Kind lässt seine schlechte Laune an den anderen aus, es ist „zickig“.Sagen Sie geplante Unternehmung ab, streichen Sie einen Ausflug, machen Sie etwas mit anderen. Ignorieren Sie das „zickige“ Verhalten. Das hilft, denn kein Kind will ignoriert und ausgeschlossen werden.