Der Fragentrichter: Probleme effektiv anpacken

Bestimmt kennst du auch Situationen, in denen ein Gespräch mit deinem Kind oder mit der ganzen Familie dringend notwendig ist. Da kann die Methode „Fragentrichter“ helfen. Es gibt irgendein Problem, jemand ist sauer und die Stimmung ist schlecht. Doch es ist gar nicht so einfach, nun ein gutes Gespräch zu führen. Ein Gespräch, das zu einer Lösung führen soll. Weder mit kleineren Kindern noch mit Jugendlichen gelingt das immer gut.

Schritt für Schritt zur Lösung

Die Fragentrichter ist eine Möglichkeit, Probleme effektiv anzupacken. Dabei arbeitet man sich von der allgemeinen Situation nach und nach zu einer gemeinsamen Lösung vor. Die Methode wird sehr viel in der Wirtschaft angewandt, um Ziele zu formulieren und zu erreichen. Aber auch im Erziehungsalltag kann sie sehr sinnvoll sein.

Ausgangssituation

Die Familie sitzt beim Abendessen und die Stimmung ist schlecht. Vielleicht gab es im Vorfeld einen Streit, ein Familienmitglied hat sich geärgert und ein anderes hatte einen schlechten Tag. Möglicherweise liegt es auch nur an einem schlechten Zeitmanagement. Nun sitzen alle zusammen und können den gemeinsamen Abend nicht wirklich genießen. Keiner weiß so ganz genau, warum der andere schlecht gelaunt ist. Und erst recht niemand weiß, wie diese Stimmung jetzt verbessert werden kann.

Erster Schritt: Zustandsabfrage durch offene Fragen

Zunächst einmal sollten sich beim Fragentrichter alle dazu äußern können, wie es ihnen momentan geht. Wer nicht ins Reden kommt, kann dazu gerne die W-Fragen benutzen. Weiterführende Fragen und Verständnisfragen sind erlaubt, aber niemand wird abgewürgt, jeder darf ausreden.

  • Wie geht es mir heute?
  • Wie war mein Tag?
  • Was habe ich erlebt?
  • Wen habe ich getroffen?
  • Wie ist meine Stimmung?
  • Warum geht es nicht gut?

In dieser ersten Runde ist der Fragetrichter  ganz weit offen. Alle schütten von oben hinein, was sie möchten. Jeder darf sagen was ihm auf der Seele liegt. Erst wenn alle über ihren Zustand gesprochen haben, geht es langsam zum zweiten Schritt über. Jetzt wird der Trichter etwas enger.

Zweiter Schritt: Zusammenfassung

Nun fasst ein Familienmitglied zusammen und versucht herauszuarbeiten, wie es jedem geht. In dieser Phase ist es wichtig, dass sich jeder verstanden fühlt. Es darf also ergänzt und korrigiert werden.

Mama: Sie hatte einen enorm anstrengenden Tag und dann ist auch noch ihre Tankstelle geschlossen gewesen, sodass sie einen Umweg fahren musste. Mama ist müde und erledigt, sie möchte gerne früh ins Bett und noch etwas lesen.

Papa: Er hat sich heute über einen Kollegen geärgert, der immer alles besser weiß. Und dann hat er sich über sich selbst geärgert, weil er sich über solch einen Unsinn ja nicht ärgern will. Darüber würde er gerne mit Mama noch ausführlich sprechen.

Svenja: Sie ist eigentlich gut gelaunt, aber das Abendessen schmeckt ihr nicht. Svenja hatte sich auf selbstgemachte Pizza gefreut, aber Mama und Papa haben das heute einfach nicht geschafft.

Robin: Er denkt an eine Arbeit, die er morgen schreiben muss. Robin hat sich nicht genug vorbereitet und will schnell in sein Zimmer, um noch etwas zu lernen. Er ist wortkarg und angespannt.

Dritter Schritt: Fokussierung auf die Probleme

Jeder überlegt nun, ob es größere Probleme gibt, die gemeinsam gelöst werden können. Dabei wird die Wahrnehmung immer mehr in Richtung der Lösung der Probleme gelenkt. Der Trichter ist nun ganz eng, es gibt nur noch Ja oder Nein. Nach und nach bekommen alle 4 Familienmitglieder mit Lösungsfragen. Das sind geschlossene Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können.

Mama:

  • Willst du heute deine Ruhe haben?
  • Möchtest du sofort nach dem Essen ins Bett?
  • Soll heute der Küchendienst von jemand anderem übernommen werden?

Papa:

  • Kannst du auch morgen noch mit Mama über den Kollegen sprechen?
  • Kannst du auch mit jemand anderem darüber reden?
  • Kannst du den Küchendienst übernehmen?

Svenja:

  • Ist das Abendessen sehr schlecht?
  • Möchtest du noch etwas anderes haben?
  • Sollen wir dir eine Pizza bestellen?

Robin:

  • Möchtest du sofort in dein Zimmer zum Lernen?
  • Kann dir jetzt noch jemand helfen?
  • Möchtest du morgen früh eine Stunde eher aufstehen, um noch zu lernen?

Vierter Schritt: Gemeinsame Beschlüsse

Jetzt liegen alle Probleme auf dem Tisch und es gibt für jedes Familienmitglied Lösungsangebote. Nun sagt jeder noch, für welche Lösung er sich entscheidet und dann werden die Punkte umgesetzt. Alle einigen sich darauf, das Besprochene wirklich auch auszuprobieren.

Der Fragentrichter kann Probleme lösen

Durch die verschiedenen Schritte haben alle zunächst die Möglichkeit, über ihre Situation zu sprechen. Gleichberechtigt. Dadurch wird schon Vieles klarer und der „miese Laune Dunst“ hebt sich. Nun fällt es leicht, Wünsche und Lösungen zu formulieren, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen. Niemand ist grundlos schlecht gelaunt, die Pizza ist nur aufgehoben – nicht vergessen, ein ruhiger Abend und ein gutes Gespräch helfen Mama und Papa.