Lernsieg

Lernsieg: Dürfen Schüler Lehrer bewerten?

Viele Lehrerinnen und Lehrer sind entsetzt, andere stellen sich der Herausforderung: eine neue Lehrerbewertungs-App spaltet die Pädagogen Welt. Lernsieg erinnert an die alten Zeiten des heiß diskutierten Bewertungsportals „Spick mich“, das inzwischen eingestellt worden ist. Es ist ähnlich, aber auch ganz anders. Die Schülerinnen und Schüler gehen viel entspamnnter mit der APP um, aufgeregt ist deswegen kaum jemand. Zu den 10 schlimmsten Schulproblemen zählt die Neuerscheining sicherlich nicht.

Lernsieg
Die Stunde lief doof, ich bewerte den jetzt.

Hier können Schülerinnen und Schüler bewerten

Auf jeden Fall haben Schülerinnen und Schüler jetzt wieder eine Möglichkeit, ihre Meinung über Lehrkräfte und über ihre Schule öffentlich kund zu tun. Jeder kann sich in der App einloggen, seine Bewertung abgeben oder auch einfach nur mitlesen. Registrieren muss man sich mit seiner Telefonnummer, und dann können deutsche und österreichische Nutzer loslegen.

Fragen zur neuen APP Lernsieg:
Was bringen Bewertungsportale für Lehrkräfte? Werden die Portale überhaupt von den entsprechenden Lehrkräften besucht? Nehmen Lehrerinnen und Lehrer die Bewertungen ernst? Verschlechtert sich das Klima in der Schule durch solche Bewertungen? Helfen die Bewertungen dabei, gute Schulen und Lehrkräfte zu finden?

So funktioniert die APP

Eine freie Meinungsäußerung in Form von freien Texten ist nicht vorgesehen. Stattdessen können Bewertungen in acht verschiedenen Kategorien vorgenommen werden. Ein bisschen erinnert Lernsieg an das Arbeitgeber Bewertungsportal Kununu. Bei Lernsieg können verschiedene Leistungen mit bis zu fünf Sternen bewertet werden. Fünf ist natürlich super gut und eins sehr schlecht.

Lehrkraft-Bewertung u.a.

  • Fainess
  • Respekt
  • Vorbereitung
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • Geduld
  • Pünktlichkeit

Schulbewertung u.a.

  • Lehrangebot
  • Stimmung
  • Sportanlage
  • Menso
  • Bibliothek
  • Sauberkeit
  • Neue medien

Kritik gibt es natürlich auch

Die Gewerkschaft lehnt diese Art des Feedbacks vehement ab. Sie fordert einen Austausch zwischen Lehrkräften und ihren Schulkindern von Gesicht zu Gesicht. Doch dieser Wunsch bleibt vermutlich unerfüllt. Das ist auch für den 17-jährigen Gründer der APP der Hauptgrund, warum er diese Form der Bewertung ins Leben gerufen hat.

Er möchte erreichen, dass Lehrer sich kritische Bewertungen endlich zu Herzen nehmen und ihr Verhalten in der Schule und im Unterricht positiv verändern. Außerdem möchte er es Schülerinnen und Schüler erleichtern, ihre Kritik an einem zentralen Ort abgeben zu können. Damit diese nicht respektlos wird, sind freie Kommentare in der App nicht möglich.

Jeder kann seine Bewertung abgeben

Ein Schwachpunkt der App ist, dass nicht nachvollziehbar ist, ob hier wirklich Schülerinnen und Schüler eine Bewertung abgeben. Im Prinzip kann sich jeder anmelden und dann loslegen. Auch Schulkinder anderer Schulen, böswillige bekannte oder konkurrierende Kollegen könnten sich hier austoben.

Als kleines Korrektiv ermöglicht es die App einen Nutzer immer nur an einer Schule, Lehrkräfte zu bewerten. Wechseln Schülerinnen und Schüler eine Schule, wird das in der App vermerkt und frühere Bewertungen werden gelöscht.