12 Märchen Merkmale: Das muss man wissen

Diese 12 wichtigsten Märchen Merkmale müssen Schülerinnen und Schüler kennen, wenn sie ein Märchen schreiben sollen. Mit diesem Wissen ist es kinderleicht, selber gute Märchen zu verfassen. Das kann in der Schule und bei den Hausaufgaben eine wertvolle Hilfe sein. Nicht immer sind im Märchen ALLE 12 Merkmale vorhanden, die meisten aber schon.

Es klingt so kinderleicht, ein Märchen zu schreiben. Aber längst nicht jede erfundene Geschichte erfüllt die notwendigen Kriterien. Zum Beispiel ist eine Geschichte, die in der Zukunft spielt, auch erfunden. Sie hat oft einen Helden und einen Bösewicht. Trotzdem ist es noch lange kein Märchen. „Was erzählst du mir denn da für Märchen?“ fragen manche Eltern ihre Kinder, wenn sie angeflunkert werden. Dabei handelt es sich bei diesen kleinen Notlügen auch nicht um Märchen, sondern eben um Unwahrheiten.

Daran erkennt dein Kind Märchen

Was ist also ein Märchen? Wie jede Textform haben auch Märchen klar erkennbare Kennzeichen. Es handelt sich bei Märchen meistens um mündlich überlieferte Erzählungen mit unbekanntem Autor*innen. Sie kommen in allen Kulturen vor. Zu den bekanntesten Autoren zählen Wilhelm Hauff und Hans Christian Andersen und die Brüder Grimm, die Sammler von Volksmärchen waren.

Es gibt unglaublich viele Märchen, und alle diese Märchen haben bestimmte Kriterien gemeinsam. Wenn dein Kind sie kennt, kann es ein Märchen erkennen und noch mehr. Es kann auch selber ein Märchen erfinden. Lies dir doch diesen Artikel durch und probiere es danach einmal mit deinem Kind aus. Oder er finde selber ein Märchen, das du deinem Kind heute Abend erzählst.

Märchen gibt es in allen Ländern und allen Sprachen. Sie unterscheiden sich kulturell voneinander, das ist ganz klar. Jede Kultur hat also ihre eigenen Märchenfiguren, Handlungen und Erzählungen. In Deutschland kennt jedes Kind Hänsel und Gretel, aber in der Türkei ist dieses Märchen unbekannt.

1. Märchen Merkmale: Eingangssatz

Fast alle Märchen beginnen mit einer klassischen Redewendung wie „Es war einmal…“, „vor langer Zeit…“ oder auch „in einem fernen Land…“. Wenn eine Geschichte so beginnt stehen die Chancen gut, dass ein Märchen folgt.

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß die junge Prinzessin an dem Fenster und erinnerte sich an ihre Mutter – die Königin, die sie Schneewittchen nannte, da sie weiß wie Schnee war. Aber als Schneewittchen geboren war, starb die Königin.

Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam, konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen. 

2. Märchen Merkmale: Handlungsort und -zeit

Die Handlung spielt fast immer in einer erfundenen, fantastischen Welt, zum Beispiel in einem fernen Land oder einem verzauberten Schloss. Es gibt auch keine konkreten Zeit- und Ortsangaben. Alles findet irgendwann und irgendwo statt, sodass es überall sein könnte.

Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner, und als sie sieben Jahre alt war, war sie so schön, wie der klare Tag und schöner als die Königin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte: »Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist die Schönste im ganzen Land?« So antwortete er: »Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.«

Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: „Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.“ Hänsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezündet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: „Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab.“

3. Märchen Merkmale: Magie

Magische Sprüche, Reime, Zauberformeln oder Lieder sind Bestandteil fast aller bekannten Märchen. Auch magische Zahlen kommen in vielen Märchen vor. Die sieben Zwerge, der Zauberer mit den 3 goldenen Haaren, die Siebenmeilenstiefel und so weiter.

Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel nicht nur magisch war, sondern immer die Wahrheit sagte.

König und Zauberer

4. Märchen Merkmale: Gut und Böse

In jedem Märchen gibt es gute und böse Figuren, die stets streng voneinander abgegrenzt sind. In der Regel muss die Hauptfigur gegen das Böse kämpfen und gewinnt am Ende.

Über ein Jahr nahm sich der König, der ein sehr guter und sorgsamer Mann war, eine andere Frau. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig und konnte nicht leiden, dass sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden.

Die Alte hatte sich nur freundlich angestellt, sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothäuslein bloß gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot, kochte es und aß es, und das war ihr ein Festtag. Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung wie die Tiere und merken’s, wenn Menschen herankommen. Als Hänsel und Gretel in ihre Nähe kamen, da lachte sie boshaft und sprach höhnisch: „Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen!“ 

5. Merkmale: Wunderbare Fantasiewesen

In Märchen kommen Fantasiewesen vor oder solche, die übernatürliche Kräfte haben, wie Hexen, Zauberer, Zwerge, Drachen oder Magier. Manchmal können sich Menschen in andere Wesen verwandeln oder umgekehrt.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Häuslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben.

6. Märchen Merkmale: Held oder Heldin

Die Held*innen im Märchen, also die Guten, müssen oft schwere Aufgaben bestehen, bevor sie ihr Ziel erreichen und das Böse besiegen. Oft müssen sie eine Reihe von Prüfungen bestehen.

Sie hielt ihnen das Haus in Ordnung. Morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da musste ihr Essen bereit sein. Den ganzen Tag über war das Mädchen allein; da warnten es die guten Zwerge und sprachen: »Hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist, lass ja niemand herein!«

Märchen Merkmale: Hexen

Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach: „Ich weiß nicht, wie ich’s machen soll; wie komm ich da hinein?“ – „Dumme Gans,“ sagte die Alte, „die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein,“ krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe mssßte elendiglich verbrennen.

7. Märchen Merkmale: Sprechende Tiere

Tiere, Pflanzen und sogar Dinge sind oft personifiziert haben also eine Persönlichkeit. Sie sind Helfer*innen der Hauptfigur und können sprechen. Dabei haben sie nicht selten charakteristische Eigenschaften, sind klug, stark oder ängstlich.

8. Märchen Merkmale: Namensgebung

Die Hauptfiguren, also Held und Heldin, haben nicht immer einen Namen. Hänsel und Gretel schon, aber Rotkäppchen oder Schneewittchen nicht. Die Nebenfiguren haben nie eigene Namen, sie sind der böse Wolf, der alte König oder die eifersüchtige Stiefmutter.

…die Königin, die sie Schneewittchen nannte, da sie weiß wie Schnee war. Aber als Schneewittchen geboren war, starb die Königin

9. Märchen Merkmale: Gut gewinnt

Das Gute wird am Ende immer belohnt und das Böse wird am Ende immer bestraft. Der Weg dahin ist mit Abenteuern gepflastert.

Da stieß das böse Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, dass sie noch ein noch aus wusste. Sie stand vor dem Spiegel voller Hass und Schrecken. Sie konnte das Glück von Schneewittchen nicht ausstehen und fiel tot vor Neid zur Erde.

Gretel schüttelte sein Schürzchen aus, dass die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und Hänsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu.

10. Märchen Merkmale: Schlussformel

In Märchen gibt es meistens bestimmte Schlussformeln. Sie enden oft mit „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“.

Sie konnte das Glück von Schneewittchen nicht ausstehen und fiel tot vor Neid zur Erde.

Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen. Mein Märchen ist aus, dort lauft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große Pelzkappe daraus machen.

11. Märchen Merkmale: besondere Gegenstände

In vielen Märchen spielen Gegenstände eine wichtige Rolle (z.B. Spindel bei Dornröschen, der Spiegel bei Schneewittchen, die goldene Kugel im Froschkönig. Moderne Dinge wie Computer oder Chipkarten gibt es nicht.

Sie hatte einen wunderbaren Spiegel; wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie: »Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land?« so antwortete der Spiegel: »Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.«

12. Märchen Merkmale: Moral

Mit dem glücklichen Ende im Märchen ist meistens auch eine moralische Lehre verbunden. Der Ehrliche wird belohnt, der Ausdauernde gewinnt am Ende, Gier und Neid lohnen sich nicht…

Da ihr der Neid keine Ruhe ließ, schließlich war SIE nicht die Schönste im ganzen Land , dachte sie nochmals darüber nach, wie sie sie umbringen wollte.

Märchen haben Unterschiede

Natürlich zeigen nicht alle Märchen genau diese zwölf Merkmale. Die meisten davon kannst du jedoch finden, wenn du genauer hin schaust. Suche doch mal deine fünf Lieblingsmärchen heraus und versuche, so viele Merkmale wie möglich aus dieser Liste darin zu finden. Eines gibt es immer, das Gute und das Böse. Und irgendwie siegt das Gute auch am Ende. Ein Märchen kann so gruselig sein wie es möchte, am Ende löst sich die Spannung auf und dein Kind kann trotz der aufregenden Geschichte einschlafen.

Schicke uns eine Mail mit deinem Märchen!

Wenn du Lust hast, kannst du gerne ein Märchen schreiben und uns schicken. Wir veröffentlichen es auf jeden Fall auf unsere Internetseite. Vielleicht ist das ja für dein Kind eine ganz gute Motivation, um zu Stift und Papier zugreifen und seine Fantasie spielen zu lassen. Damit verbessert es seinen Wortschatz, seine Rechtschreibung und die Fähigkeit Aufsätze zu verfassen. Ein Märchen ist nämlich ein Aufsatz. Es hat eine Einleitung, einen Hauptteil mit einem Höhepunkt und natürlich auch einen Schluss.