
Wenn ein Kind trotz Übens immer wieder an denselben Wörtern scheitert, langsam liest oder bei jedem Diktat erneut frustriert ist, möchten Eltern vor allem eines: eine Lösung.
Das kann ich sehr gut verstehen. Gerade deshalb werde ich skeptisch, wenn eine Methode verspricht, eine Legasthenie innerhalb kurzer Zeit praktisch verschwinden zu lassen.
Kinder mit großen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben brauchen keine spektakuläre Wundermethode. Sie brauchen jemanden, der genau hinsieht, an der richtigen Stelle ansetzt und ihnen genügend Zeit gibt, neue Fähigkeiten wirklich sicher aufzubauen.
Warum schnelle Versprechen für Eltern so verlockend sind
Wer erlebt, wie das eigene Kind unter seinen Schwierigkeiten leidet, wird verständlicherweise empfänglich für schnelle Lösungen.
„Endlich keine Rechtschreibfehler mehr“, „Lesen in wenigen Wochen“ oder eine Methode, die angeblich die eigentliche Ursache der Legasthenie beseitigt – solche Versprechen klingen wunderbar.
Ich finde, Eltern sollten an dieser Stelle besonders aufmerksam werden. Denn Lesen und Rechtschreiben sind komplexe Fähigkeiten. Sie entwickeln sich Schritt für Schritt. Wenn dabei grundlegende Fähigkeiten noch nicht sicher sind, lassen sie sich nicht einfach überspringen.
Was ich in der Lerntherapie wichtig finde
Für mich beginnt gute Förderung nicht mit einer bestimmten Methode, sondern mit einer Frage: Was kann dieses Kind bereits – und wo genau beginnt seine Schwierigkeit?
Mehr üben ist nicht automatisch besser
Auch das ist mir wichtig: Wenn ein Kind Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechtschreiben hat, ist die Antwort nicht automatisch „Dann muss es eben mehr üben.“
Übt ein Kind immer wieder auf eine Weise, die ihm nicht hilft, entstehen vor allem Frust und das Gefühl: „Ich kann das sowieso nicht.“
Gute Förderung sollte deshalb möglichst genau dort ansetzen, wo die Schwierigkeit liegt. Beim einen Kind steht das Lesen im Vordergrund, beim anderen die Rechtschreibung. Manche Kinder brauchen Unterstützung in beiden Bereichen.
Woran ich eine seriöse Förderung erkennen würde
Wenn Eltern mich fragen, worauf sie bei einer Lerntherapie achten sollen, würde ich heute vor allem diese Fragen stellen:
- Wird zunächst genau geschaut, was mein Kind kann und was ihm schwerfällt?
- Kann mir die Fachkraft verständlich erklären, warum sie bestimmte Übungen einsetzt?
- Gibt es konkrete und realistische Förderziele?
- Werden Fortschritte regelmäßig überprüft?
- Wird mein Kind ermutigt, statt ständig mit seinen Fehlern konfrontiert zu werden?
- Werden mir keine schnellen oder garantierten Erfolge versprochen?
Und ich würde nach Ausbildung und Erfahrung fragen. Eltern dürfen sich erklären lassen, wie eine Förderung aufgebaut ist. Das ist kein Misstrauen, sondern eine völlig berechtigte Frage.
Das Selbstvertrauen gehört für mich zur Förderung dazu
Ein Punkt wird mir manchmal zu wenig beachtet: Kinder erleben ihre Schwierigkeiten nicht nur auf dem Papier.
Sie sehen, dass andere schneller lesen. Sie bekommen ihre Fehler angestrichen. Sie schreiben vielleicht eine schlechte Note, obwohl sie lange gelernt haben.
Das kann auf Dauer viel mit einem Kind machen. Deshalb gehört für mich zu einer guten Förderung auch, Fortschritte sichtbar zu machen und Stärken nicht aus dem Blick zu verlieren.
Schaut nicht jeden Tag darauf, wie viele Fehler noch da sind. Schaut auch darauf, was heute schon etwas leichter gelingt als vor vier Wochen. Gerade bei Legasthenie können kleine Fortschritte große Schritte sein.
Legasthenie braucht keine Wunder – sondern einen guten Weg
Ich verstehe jeden Vater und jede Mutter, die sich wünscht, dass die Schwierigkeiten möglichst schnell verschwinden.
Aber ich halte es für ehrlicher, Kindern und Eltern keine Wunder zu versprechen. Gute Förderung braucht Geduld, einen nachvollziehbaren Plan und Übungen, die wirklich zum Kind passen.
Das klingt weniger spektakulär als eine neue Wundermethode. Nach meiner Erfahrung ist es aber der bessere Weg.
Auf lernfoerderung.de habe ich die fachlichen Informationen zu Förderung, Therapie und sinnvollen nächsten Schritten ausführlich zusammengestellt.
Legasthenie-Therapie & Förderung ansehen →Uta Reimann-Höhn
Diplom-Pädagogin, Lerntherapeutin und Autorin