Mehr als 5,2 Milliarden verpflichtende Spielersperr-Abfragen innerhalb eines Jahres: Diese Zahl verdeutlicht, welche Dimension das deutsche Kontrollsystem im Glücksspiel inzwischen erreicht hat. Wie das Regierungspräsidium Darmstadt am Mittwoch mitteilte, wurden im Jahr 2025 exakt diese 5,2 Milliarden Statusprüfungen über das bundesweite Sperrsystem OASIS durchgeführt. Die Behörde verwaltet die zentrale Datenbank, die als Herzstück der Aufsicht im regulierten Markt gilt.
OASIS – das „Online-Abfrage Spielerstatus“-System – ist seit Inkrafttreten des Vierten Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 verpflichtend für alle lizenzierten Anbieter. Ob Spielbank, Automatenspielhalle, Wettbüro oder Online-Plattform: Kein Einsatz darf angenommen werden, ohne dass zuvor in Echtzeit geprüft wurde, ob für die betreffende Person eine aktive Sperre vorliegt. Jede einzelne dieser Prüfungen fließt in die nun veröffentlichte Statistik ein.

367.000 aktive Sperren bundesweit
Nach Angaben der Darmstädter Behörde unterstreicht das Volumen die praktische Bedeutung des Instruments für die Aufrechterhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Die Datenbank vernetzt rund 9.000 Betreiber mit etwa 41.000 stationären Standorten sowie sämtlichen legalen Online-Angeboten. Im Hintergrund laufen damit Millionen von Abfragen pro Stunde – automatisiert, aber verbindlich vorgeschrieben.
Aktuell sind rund 367.000 Personen bundesweit gesperrt. Diese Einträge entstehen entweder durch einen freiwilligen Antrag der Betroffenen oder auf Initiative von Anbietern beziehungsweise Dritten, wenn Anzeichen problematischen Spielverhaltens vorliegen.
Allein im vergangenen Jahr wurden rund 60.000 formale Sperranträge bearbeitet. Gleichzeitig wiesen die Behörden darauf hin, dass zahlreiche Anträge wegen unvollständiger Unterlagen nicht berücksichtigt werden konnten.
Digitalisierung treibt Antragszahlen
Ein wesentlicher Treiber für den Anstieg sowohl der Anträge als auch der Abfragen war nach Darstellung der Aufsicht die vollständige Digitalisierung der Verfahren im Jahr 2024. Seitdem können Sperr- und Entsperranträge online gestellt und zentral verarbeitet werden.
Die Umstellung erfolgte in enger Abstimmung mit der GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder), die als bundesweite Regulierungsbehörde den Markt überwacht. Ziel war es, Verwaltungsabläufe zu vereinheitlichen und Wartezeiten zu verkürzen.
In der Praxis bedeutet das für Spielerinnen und Spieler: Wer sich sperren lässt, wird automatisch bei allen angeschlossenen Anbietern blockiert. Ein Ausweichen auf andere legale Plattformen ist nicht möglich. Betreiber sind verpflichtet, die Abfrage vor jeder Spielteilnahme vorzunehmen – auch wenn ein Kunde bereits registriert ist. Diese technische Pflichtprüfung greift auch bei populären Online-Casinos wie drückglück.de oder jokerstar.de, die mit bundesweiter Lizenz operieren und ihre Kunden vor jeder Einzahlung oder Spielrunde gegen das Register prüfen müssen.
Evaluierung des Staatsvertrags rückt näher
Die Veröffentlichung der Zahlen fällt in eine Phase, in der die Glücksspielregulierung erneut politisch diskutiert wird. 2026 steht die turnusmäßige Evaluierung des Staatsvertrags an, fünf Jahre nach Öffnung des bundesweit regulierten Online-Marktes. Branchenvertreter verweisen seit längerem auf strenge Vorgaben, darunter das monatliche, anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro sowie die Einsatzgrenze von einem Euro pro Spin an virtuellen Automatenspielen. Änderungen gelten allerdings als unwahrscheinlich, bevor umfassende Studien zur Spielteilnahme und Risikobelastung vorliegen.
Während klassische Online-Spielautomaten durch fixe Einsatzlimits gedeckelt sind, beobachten Marktanalysten zugleich eine wachsende Aufmerksamkeit für progressive Jackpots, bei denen sich Gewinnsummen über viele Einsätze hinweg aufbauen und teils millionenschwere Beträge erreichen können. Auch solche Spielformen unterliegen in Deutschland den regulatorischen Beschränkungen und werden technisch in die bestehenden Kontrollmechanismen eingebunden, was zusätzliche Anforderungen an Anbieter und Softwareentwickler stellt.
Technische Umsetzung und Aufsicht
Technisch umgesetzt werden viele dieser digitalen Spiele von spezialisierten Plattformanbietern wie Evolution Gaming, die Live-Casino-Formate und virtuelle Tische bereitstellen. Unabhängig vom jeweiligen Spielelieferanten bleibt jedoch die Verpflichtung zur OASIS-Abfrage bestehen, bevor ein Spiel gestartet werden darf. Die Verantwortung liegt rechtlich immer beim lizenzierte Betreiber, nicht beim Softwarestudio.
Das Regierungspräsidium Darmstadt kündigte an, die administrativen Abläufe weiter zu verfeinern. Ziel sei es, OASIS als „robustes Instrument des Spielerschutzes“ zu sichern und Missbrauch effektiv zu verhindern. Dazu gehören regelmäßige Systemtests, Datenabgleiche sowie Schulungen für Betreiber und Behördenmitarbeiter.
Politische Weichenstellungen stehen bevor
Mit Blick auf die anstehende Evaluierung dürfte die nun veröffentlichte Zahl von 5,2 Milliarden Abfragen eine zentrale Rolle spielen. Sie liefert erstmals eine belastbare Größenordnung dafür, wie engmaschig das Kontrollnetz tatsächlich geknüpft ist. Für Befürworter des strikten Kurses belegt sie die Funktionsfähigkeit des Systems. Kritiker hingegen fragen, wie hoch der bürokratische und technische Aufwand für Unternehmen ist – und ob dieser in einem angemessenen Verhältnis zum Spielerschutz steht.
Fest steht: Das Sperrsystem ist längst kein Randinstrument mehr, sondern integraler Bestandteil des deutschen Glücksspielmarktes. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Gesetzgeber an den bestehenden Leitplanken festhält oder punktuelle Anpassungen vornimmt. Bis dahin bleibt OASIS die digitale Schranke, die vor jedem legalen Spieleinsatz passiert werden muss.
