Wenn Lehrkräfte fehlen, spüren es die Kinder
Unterrichtsausfall, Vertretungsstunden, größere Lerngruppen: Wenn Schulen nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte finden, kann das den Schulalltag erheblich belasten.
Immer häufiger kommen deshalb Menschen aus anderen Berufen ins Klassenzimmer.
Doch wie gut funktioniert der Quer- oder Seiteneinstieg – und was bedeutet das für die Unterrichtsqualität?
Warum der Lehrermangel nicht überall gleich aussieht
Die Kultusministerkonferenz veröffentlicht regelmäßig Modellrechnungen zum Lehrkräftebedarf und zum erwarteten Angebot. Die aktuelle Prognose reicht bis 2035. Sie zeigt: Die Personalplanung bleibt eine langfristige Herausforderung.
So weit reichen die aktuellen KMK-Modellrechnungen.
Der Bedarf unterscheidet sich unter anderem zwischen Grundschulen, weiterführenden Schulen und beruflichen Schulen.
Ein Bundesland kann andere Personalprobleme haben als ein anderes.
Vier Gründe für den Lehrkräftemangel
👥 Demografische Veränderungen
Pensionierungen und sich verändernde Schülerzahlen beeinflussen die Personalplanung.
🎓 Lange Ausbildungswege
Studium und Vorbereitungsdienst brauchen Zeit. Neue Ausbildungsplätze helfen deshalb nicht sofort.
📋 Hohe Arbeitsbelastung
Unterricht, Vorbereitung, Dokumentation, Elterngespräche und zusätzliche Aufgaben beanspruchen Zeit.
🧩 Zusätzliche Anforderungen
Inklusion, Sprachförderung und Ganztagsangebote benötigen Personal und unterschiedliche Kompetenzen.
Was bedeutet das für Schülerinnen und Schüler?
Häufig wechselnde Lehrkräfte, weniger individuelle Unterstützung, Vertretungsunterricht und organisatorische Unsicherheit.
Verlässliche Bezugspersonen, fachlich guten Unterricht, klare Abläufe und rechtzeitige Förderung bei Lernproblemen.
Wichtig: Nicht jede Schule ist gleichermaßen betroffen. Und eine einzelne ausgefallene Unterrichtsstunde ist noch kein Beleg für einen dauerhaften Lehrkräftemangel. Entscheidend sind die langfristigen Bedingungen vor Ort.

Quereinsteiger sind nicht automatisch schlechtere Lehrkräfte
Eine Ingenieurin unterrichtet Mathematik. Ein Informatiker erklärt Programmierung. Eine Naturwissenschaftlerin bringt Erfahrungen aus dem Labor mit.
Solche beruflichen Erfahrungen können den Unterricht bereichern. Fachwissen allein reicht allerdings nicht: Lehrkräfte müssen Inhalte verständlich vermitteln, Lerngruppen führen und Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen unterstützen.
Drei Wege ins Klassenzimmer
Klassisches Lehramt
Lehramtsstudium mit fachlichen, fachdidaktischen und pädagogischen Anteilen sowie Vorbereitungsdienst.
Quereinstieg
Ein anderer Hochschulabschluss bildet die Grundlage für einen alternativen Qualifizierungsweg ins Lehramt.
Seiteneinstieg
Der Einstieg erfolgt je nach Landesregelung direkt in den Schuldienst, begleitet von berufsbegleitender Qualifizierung.
Die Begriffe und konkreten Ausbildungswege werden in den Bundesländern unterschiedlich verwendet. Entscheidend sind die jeweiligen Qualifizierungs- und Prüfungsanforderungen.
Quereinstieg: Chancen und Herausforderungen
- Zusätzliche Lehrkräfte gewinnen
- Berufserfahrung in den Unterricht bringen
- Neue Perspektiven auf Fachthemen eröffnen
- Engpässe in bestimmten Fächern verringern
- Pädagogische Kompetenzen aufbauen
- Unterricht professionell planen
- Klassenführung erlernen
- Qualifizierung neben dem Schulalltag bewältigen
Was müsste sich im Bildungssystem verbessern?
1. Gute Einarbeitung
Neue Lehrkräfte benötigen Zeit, Mentoring und verlässliche Ansprechpartner.
2. Verbindliche Qualifizierung
Fachdidaktik, Pädagogik und Klassenführung müssen systematisch vermittelt werden.
3. Lehrkräfte entlasten
Multiprofessionelle Teams und weniger unnötige Verwaltungsaufgaben können helfen.
4. Langfristig ausbilden
Studienplätze, Vorbereitungsdienst und Personalplanung müssen zusammenpassen.
Die KMK hat 2024 einen gemeinsamen Rahmen für zusätzliche Qualifizierungswege beschlossen, darunter Quereinstiegs-Masterstudiengänge, duale Studiengänge und Wege zu Ein-Fach-Lehrkräften.
Was können Eltern bei häufigem Unterrichtsausfall tun?
Eltern können den Lehrkräftemangel nicht lösen. Sie können aber darauf achten, dass Lernprobleme nicht über längere Zeit unbemerkt bleiben.
Weitere Beiträge zu Bildung und Schule
Quereinsteiger können helfen – gute Bedingungen bleiben entscheidend
Für Kinder ist weniger entscheidend, welchen beruflichen Weg eine Lehrkraft ursprünglich eingeschlagen hat. Wichtig ist, dass sie fachlich sicher unterrichtet, pädagogisch qualifiziert ist und ausreichend Unterstützung erhält. Quereinstieg kann zur Unterrichtsversorgung beitragen – eine langfristige Personalstrategie ersetzt er nicht.