Spacing – auch als verteiltes Lernen bekannt – ist eine Lernstrategie, bei der der Lernstoff über einen längeren Zeitraum hinweg in Abständen wiederholt wird. Das Gegenteil davon ist das sogenannte „Bulimie-Lernen“ oder Pauken, bei dem alles auf einmal kurz vor der Prüfung gelernt wird. Spacing bedeutet also: nicht alles auf einen Haufen, sondern lieber regelmäßig kleine Wiederholungen – das ist gehirnfreundlicher und nachhaltiger.
Diese Methode hilft deinem Kind, den Stoff besser zu behalten und langfristig im Gedächtnis zu speichern. Wissenschaftlich belegt wurde dieser Effekt schon im 19. Jahrhundert vom Psychologen Hermann Ebbinghaus, der zeigte: Regelmäßige Wiederholungen in wachsenden Abständen führen dazu, dass Informationen deutlich besser im Langzeitgedächtnis haften bleiben.
Warum funktioniert Spacing so gut?
Der Spacing-Effekt basiert auf dem Prinzip, dass das Gehirn Informationen besser abspeichert, wenn es gezwungen wird, sie nach einer gewissen Zeit wieder hervorzuholen. Genau das passiert beim Spacing:
- Zwischen den Wiederholungen liegen Lernpausen.
- Dadurch wird das Wissen immer wieder neu aktiviert.
- Dieser Prozess stärkt die Gedächtnisspur.
Verschiedene Studien zeigen, dass Spacing vor allem bei Faktenwissen wie Vokabeln, Matheformeln oder historischen Daten besonders wirksam ist.
Alltägliche Beispiele: So wendet ihr Spacing zu Hause an
Hier siehst du typische Alltagssituationen aus dem Schulalltag und wie du sie mit Spacing verbessern kannst:
| Beispiel / Situation | Wie du Spacing nutzt |
|---|---|
| Vokabeln einer Fremdsprache (z. B. Englisch) | Karteikarten anlegen (digital oder analog), zunächst täglich, dann alle 2–3 Tage wiederholen |
| Matheformeln / Deutsch-Grammatik / Definitionen | Kurzzusammenfassungen schreiben, im Abstand von 3, 5 und 10 Tagen wiederholen |
| Vorbereitung auf Klassenarbeiten | Früh beginnen, z. B. 3 Wochen vor dem Termin – mit regelmäßigen Wiederholungen einplanen |
Diese Tabelle kannst du als Vorlage nehmen, um eure Lernzeiten besser zu strukturieren.
Welche Tools unterstützen beim Spacing?
Du musst nicht alles selbst planen – es gibt viele Tools, die dir helfen können:
- Karteikarten-Apps wie Anki oder StudySmarter mit automatischer Spaced-Repetition-Funktion
- Analoge Karteikästen mit Lernsystemen (z. B. 5-Fächer-Karteikasten)
- Kalenderplanung mit festen Wiederholungstagen
- Lernpläne ausdrucken und Spacing-Wiederholungen eintragen
Mehr Tipps zur Lernorganisation findest du auf www.lernfoerderung.de/lerntipps
Grenzen von Spacing – was du beachten solltest
So hilfreich Spacing auch ist – es gibt Grenzen:
- Spacing eignet sich nicht für kreatives oder problemlösendes Lernen, z. B. bei Aufsätzen oder Projektarbeit.
- Zu lange Pausen zwischen den Wiederholungen führen dazu, dass der Stoff vergessen wird.
- Spacing braucht Struktur – ohne Plan wird es leicht vergessen.
Deshalb gilt: Kombiniere Spacing mit anderen Lernmethoden wie z. B. Mindmaps, aktives Abrufen oder Wiedergeben des Gelernten in eigenen Worten.
Übungsaufgabe: Spacing selbst planen
Aufgabe: Plane mit deinem Kind das Lernen von 20 neuen Englisch-Vokabeln mit Hilfe des Spacing-Effekts.
- Tag: Vokabeln durchlesen und auf Karteikarten schreiben
- Tag: Erste Wiederholung (Abfrage mit Karteikarten)
- Tag: Zweite Wiederholung (Selbsttest ohne Hilfe)
- Tag: Dritte Wiederholung (mit einem Lernpartner)
- Tag: Letzter Check (Quiz oder Karteikarten)
Lösungsidee: So sieht ein Spacing-Plan über 2 Wochen aus. Du kannst ihn anpassen je nach Stoffmenge und Klassenarbeitsdatum.
Mit Spacing nachhaltiger lernen
Der Spacing-Effekt ist ein echter Gamechanger im Schulalltag. Dein Kind lernt mit weniger Stress und mehr Langzeit-Erfolg. Als Elternteil kannst du helfen, diese Methode einzuführen – mit kleinen Tools, etwas Planung und viel Lob.
Nutze Spacing, um dem Schulfrust ein Schnippchen zu schlagen – und mach Lernen wieder erfolgreich!
