Geschichten schreiben als Persönlichkeitsförderung

Wer schreibt, denkt – und wer denkt, wächst. Geschichten zu schreiben ist weit mehr als eine schulische Pflichtübung im Deutschunterricht. Es ist eine kreative Ausdrucksform, die Kindern und Jugendlichen dabei helfen kann, sich selbst besser zu verstehen, ihre Gedanken zu ordnen und emotionale sowie sprachliche Fähigkeiten zu entwickeln.

In diesem Beitrag erfährst du, warum das kreative Schreiben ein wichtiges Werkzeug für die Persönlichkeitsentwicklung ist – und wie du dein Kind gezielt dazu ermutigen kannst, eigene Geschichten zu erfinden.

Geschichten erzählen – ein urmenschliches Bedürfnis

Schon lange bevor es Bücher oder Bildschirme gab, erzählten Menschen einander Geschichten. Sie dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch dem Verstehen der Welt, dem Verarbeiten von Erlebnissen und dem Aufbau sozialer Bindung.

Kinder folgen diesem uralten Muster ganz intuitiv: Sie denken sich Figuren aus, spielen mit Fantasiewelten, sprechen mit unsichtbaren Freunden oder verwandeln Gegenstände in Abenteuerkulissen. Wer dies in schriftlicher Form fördert, unterstützt nicht nur kreatives Denken, sondern auch emotionale Reife.

Warum Geschichten schreiben so wichtig ist

Beim kreativen Schreiben entstehen Texte, die von eigenen Gedanken, Ideen oder Fantasien geprägt sind. Das unterscheidet es grundlegend vom reinen Abschreiben oder formelhaften Schulaufsatz.

Diese Fähigkeiten werden dabei besonders gefördert:

1. Selbstwahrnehmung und Reflexion

Kinder, die eigene Geschichten schreiben, setzen sich – bewusst oder unbewusst – mit inneren Themen auseinander. Häufig spiegeln sich Ängste, Wünsche oder Konflikte in den Geschichten wider. Das Schreiben wird so zu einer Form des Selbstgesprächs und kann helfen, Erlebnisse zu verarbeiten.

2. Emotionale Intelligenz

Um glaubwürdige Figuren zu entwickeln, müssen junge Autor:innen sich in andere hineinversetzen. Wie fühlt sich eine Hauptfigur, die ausgegrenzt wird? Was denkt ein Bösewicht, der sich plötzlich schuldig fühlt? Dieses Perspektivwechsel-Training stärkt Empathie und emotionale Kompetenz.

3. Sprachliche Ausdruckskraft

Wer regelmäßig schreibt, erweitert seinen Wortschatz, lernt grammatikalische Strukturen anzuwenden und entwickelt ein Gefühl für stilistische Mittel. Besonders bei Kindern mit Sprachauffälligkeiten oder Unsicherheiten kann kreatives Schreiben ein sanfter, motivierender Weg zur Sprachförderung sein.

4. Konzentration und Durchhaltevermögen

Eine Geschichte von Anfang bis Ende zu schreiben erfordert Planung, Ausdauer und die Fähigkeit, beim Thema zu bleiben. Gerade in einer Zeit ständiger Ablenkung ist das eine wichtige Übung.

Schreiben ohne Druck: So gelingt der Einstieg

In der Schule ist das Schreiben oft an Anforderungen gebunden: Aufgabenstellungen, Längenbegrenzung, Bewertung nach Noten. Diese Rahmenbedingungen können Kinder hemmen – vor allem, wenn sie unsicher im Schreiben sind.

Außerhalb des schulischen Kontexts bietet kreatives Schreiben aber eine tolle Möglichkeit, Druck abzubauen und den Fokus auf das Erzählen statt auf Rechtschreibung oder Grammatik zu legen.

Hier ein paar Tipps für den Einstieg:

  • Frei schreiben lassen: Geben Sie ein Thema oder ein Bild vor – aber keine Bewertung.
  • Mit offenen Fragen arbeiten: „Was würde passieren, wenn …?“ regt zum Nachdenken an.
  • Schreibzeit ritualisieren: Einmal pro Woche „Geschichtenzeit“ schafft Routine.
  • Vorlesen und teilen erlauben – aber nicht erzwingen: Kinder dürfen stolz sein, aber auch Privatsphäre behalten.
  • Schreibwerkzeuge variieren: Mal am Computer, mal mit Füller, mal als Comic oder Hörspiel.

Für Eltern und Pädagog:innen: Schreiben als Beziehungsbrücke

Wenn Kinder Ihnen ihre Geschichten zeigen oder vorlesen möchten, ist das ein großer Vertrauensbeweis. Nimm dir Zeit, höre aufmerksam zu und stelle interessierte Fragen:

  • Warum hast du dich für diese Figur entschieden?
  • Gibt es etwas in der Geschichte, das du selbst erlebt hast?
  • Wie ist dir die Idee eingefallen?

So entsteht ein wertschätzender Dialog – fernab von Bewertungen oder Korrekturen. Geschichten können ein Spiegel innerer Themen sein. Nicht, um Probleme zu „analysieren“, sondern um Kinder ernst zu nehmen in dem, was sie bewegt.

Geschichten schreiben im pädagogischen Alltag

Ob in der Schule, in der Lernförderung oder in der Familienhilfe – kreatives Schreiben kann auch therapeutische und entwicklungsfördernde Wirkung entfalten. Es lässt sich einfach in den pädagogischen Alltag integrieren:

  • In Förderstunden als Auflockerung nach anstrengenden Aufgaben
  • In Gruppenarbeit, um gemeinsam Figuren und Welten zu entwickeln
  • Als Leseförderung, wenn Kinder ihre Texte selbst vorlesen dürfen
  • In Verbindung mit anderen Fächern, z. B. als Geschichtenerfinder im Sachunterricht

Unser Angebot: Kreatives Schreiben lernen mit Videokurs

Für alle, die Kindern beim Schreiben helfen wollen – egal ob als Eltern, Lehrkraft oder Lerncoach – empfehlen wir unseren kostenlosen Videokurs:

„Geschichten schreiben in 5 Schritten – Von der Idee bis zum Schluss“

Im Kurs zeigen wir spielerisch, wie Kinder:

  • eine interessante Idee finden
  • ihre Geschichte sinnvoll planen
  • einen spannenden Anfang schreiben
  • einen mitreißenden Höhepunkt gestalten
  • und einen gelungenen Schluss formulieren

Der Kurs eignet sich ab etwa 10 Jahren und ist ideal für Schule, Nachhilfe oder zu Hause. Komplett kostenlos und jederzeit auf YouTube abrufbar.

Hier geht’s zum Kurs:
Geschchichten schreiben für die Schule

Geschichten schreiben ist mehr als ein Schulfach

Kreatives Schreiben stärkt Kinder in ihrer Persönlichkeit. Es fördert Einfühlungsvermögen, Ausdruckskraft und Selbstreflexion – und schafft ganz nebenbei schöne Texte, auf die man stolz sein kann.

Wer Kinder beim Schreiben unterstützt, fördert mehr als gute Noten. Er fördert Menschen, die sich ausdrücken, zuhören und verstehen können. Und genau das brauchen wir – in der Schule und darüber hinaus.