Gedächtnis: So wird das Langzeitgedächtnis trainiert

Methoden für ein gutes Gedächtnis

Eigentlich sollte ein Kind in der Schule nicht nur für die nächste Klassenarbeit, sondern für sein ganzes Leben und ein gutes Allgemeinwissen lernen. Dafür benötigt es ein gutes Gedächtnis. Häufig sieht es damit nicht gut aus. Die gerade noch mühsam erarbeiteten Lerninhalte landen nur im Kurzzeitgedächtnis und sind nach wenigen Tagen oder Wochen schon nicht mehr abrufbar. Fatal, denn auf der weiterführenden Schule werden viele Informationen als gekonnt bereits vorausgesetzt.

Gefühle helfen beim Merken

Die Forschung hat schon lange erkannt, dass Emotionalität, Geschichten, und Bilder die Haltbarkeitsdauer von Lerninhalten enorm steigern. Je mehr Gefühle, negative oder positive, beim Lernen bestimmter Informationen aktiviert werden können, desto besser für das Gedächtnis. Emotionen wie Angst, Glück, Wut, Trauer oder Freude sind in der Regel sehr eng mit Bildern oder Tönen verknüpft. Das können Sie selber ganz leicht überprüfen, indem Sie sich ein Lied aus Ihrer Kindheit anhören oder in alten Fotoalben blättern. Bestimmte Melodien oder Bilder, mit denen Sie aufregende Ereignisse verknüpfen, lassen diese ganz schnell zum Leben erwachen. Sie werden sozusagen aus dem Langzeitgedächtnis heraus wieder aktiviert.

Dieses Wissen ist natürlich auch beim Lernen einsetzbar. Schließlich geht es darum, sich wichtige Informationen, Daten, Zusammenhänge oder Ereignisse zu merken und auch nach langer Zeit wieder abrufen zu können. In der Grundschule sind das zum Beispiel bestimmte Rechtschreibregeln, das kleine Einmaleins, Strategien zum Lösen von Textaufgaben, mathematische Formeln, die Bundesländer, europäische Hauptstädte, Lernwörter, Pflanzen und ihr Nutzwert, Maße und Einheiten oder die Gliederung eines Aufsatz. Mit bestimmten Lerntechniken und -methoden kann die Merkfähigkeit Ihres Kindes für solche Informationen, und damit auch sein Langzeitgedächtnis, immens gesteigert werden.

Kniffelig – mit einem guten Gedächtnis aber lösbar.

Machen Sie den Test mit der Geschichten-Methode!

Sie brauchen:

  • eine Uhr mit Sekundenzeiger
  • für jeden Mitspieler ein Blatt Papier und ein Stift
  • ein normales Kartenspiel
  • die folgende Liste
Wörterliste 1Wörterliste 2
KaktusKleeblatt
VollmondSonne
RennradRoller
BlumentopfBlumenampel
SchokoladeChips
SchneeflockeRegentropfen
BrilleZahnspange
LinealRadiergummi
SchlagzeugGeige
PinselFüller

Und so funktioniert der Gedächtnis Test Nummer 1

Bitte nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um mit Ihrem Kind auszuprobieren, wie es sein Langzeitgedächtnis verbessern kann. Für diesen spielerischen Test sollten Sie circa eine Stunde einplanen, in der Sie und Ihr Kind nicht gestört werden. Sie können den Versuch auch mit mehreren Personen durchführen, vielleicht haben ein paar Freunde oder Ihr Partner ebenfalls Spaß daran. In der Regel profitieren Erwachsene von den Lerntechniken sogar noch mehr als Kinder.

Lesen Sie den Mitspielern nun die folgende Liste langsam vor. Warten Sie nach jedem Begriff ca. 30 Sekunden und nennen Sie dann erst den nächsten. Sprechen Sie deutlich und langsam und wiederholen Sie möglichst keinen der Begriffe. Ihr Kind (und die eventuellen anderen Mitspieler) soll sich die Wörter einfach nur anhören und merken. Nachdem Sie die Liste vollständig abgelesen haben, das sollte ungefähr 6 Minuten dauern, spielen Sie bitte 20-30 Minuten lang mit Ihrem Kind MauMau oder ein anderes kurzweiliges Kartenspiel.

Erst nach einer dieser Zeit werden die vorgelesenen Begriffe abgefragt. Alle Mitspieler sollen sie aufschreiben, die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Kinder, die noch nicht so gut schreiben können, dürfen die Begriffe einem Erwachsenen diktieren. Sammeln Sie die Blätter ein und legen Sie sie zur Seite.

Und so funktioniert der Gedächtnis Test Nummer 2

Erklären Sie den Teilnehmern nun, dass Sie wiederum eine Liste mit zehn Begriffen vorgelesen bekommen. Nun sollen sie sich aber zu jedem Wort ein plakatives, sehr auffällige Bild vorstellen und dieses mit dem jeweils nächsten Begriff verbinden, so dass eine komplette, mitunter auch sehr unsinnige Geschichte entsteht. Bei den Wörtern Baum – Zitrone – Schneemann könnte das beispielsweise so aussehen:

Ein Baum mit knallbunten Blättern steht auf der Wiese und weint. Da kommt eine Zitrone auf einem Fahrrad vorbei geradelt und winkt ihm zu. Die Zitrone fährt weiter und weil sie nicht nach vorne sieht, stößt sie frontal mit einem jonglierenden Schneemann zusammen.

Beginnen Sie mit dem Gedächtnis Test

Wenn Ihr Kind verstanden hat, worum es bei der neuen Methode geht, können Sie beginnen. Lassen Sie wieder 20 bis 30 Sekunden Zeit zwischen den einzelnen Begriffen und spielen Sie zur Ablenkung anschließend 20-30 Minuten Karten. Nun werden erneut alle Begriffe aufgeschrieben. Vergleichen Sie die Ergebnisse mit dem ersten Testlauf. Durch die Verbindung der Wörter mit plakativen Bildern in eine gemeinsame Handlung, sollte es keinen Mitspieler schwer gefallen sein, sich fast alle Begriffe (sogar in der richtigen Reihenfolge) merken zu können.

So kann die Methode dem Gedächtnis in der Schule helfen

Jedes Kind hat seine eigenen Lernbereiche, die es sich nicht so gut behalten kann. Zum Beispiel könnte es gut sein, dass Ihr Kind sich den Unterschied der verschiedenen Niederschlagsarten nicht gut merken kann, weil es die Begriffe gerne durcheinanderwirft. Verständlich, denn die Ähnlichkeit ist kaum abzustreiten. Mit der Geschichtenmethode kann es sich die Informationen besser merken, zum Beispiel so:

  • Wolkentröpfchen
  • Nieselregentröpfchen
  • Regentropfen

Geschichtenmethode: Welche Regentropfen gibt es?

Stell dir vor, es ist Sommer und du stehst auf einer grünen Wiese. Am Himmel siehst du weiße Flecken, auf denen winzige Tropfen verstecken spielen. Sie sind so leicht, dass sie nicht herunterfallen können, das sind die Wolkentröpfchen. Plötzlich qietschen die kleinen Tröpfchen erschrocken auf, denn ihnen nähert sich eine Gruppe älterer Tropfen, die anscheinend auf Streit aus sind. Das sind die Nieselregentröpfchen. Die Wolkentröpfchen haben keine Angst und beginnen alle zusammen auf den Wolken herum zu springen, so dass die Nieselregentröpfchen ins Trudeln geraten und langsam zu Boden fallen. Du spürst sie als feine Feuchtigkeit auf deinem Gesicht. Dann wird es dunkler die kleinen Wolkentröpfchen und die Nieselregentröpfchen rennen ängstlich davon. Von dem lauten Geschrei geweckt haben sich die dicken Regentropfen auf den Weg gemacht. Sie springen den Nieselregentröpfchen hinterher und landen mit einem dicken Klatsch auf der Erde – und auf deinem Kopf. Du rennst ganz schnell nachhause, denn nun wirst du richtig nass.

Mein Tipp fürs Gedächtnis


Trainieren Sie die Geschichtenmethode mit Memorykarten, ein Spiel, das sich in den meisten Kinderzimmern finden lässt. Wählen Sie 10 oder sogar 15 verschiedene Karten aus und decken Sie die Motive der Reihe nach auf und wieder zu. Wer kann sich die meisten Motive merken? Damit trainieren Sie nicht nur das Langzeitgedächtnis sondern auch noch die visuelle Wahrnehmung Ihres Kindes.

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