Uta Reimann-Höhn

Meine Küche war noch nie so sauber!

Wenn ich in der Werbebranche arbeiten würde, hätte ich jetzt meine helle Freude. Eine ganze Reihe von Produkten würde ich mit dem Namen Corona versorgen, zu allererst die Reinigungsmittel. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber die viele Zeit zu Hause nutze ich definitiv auch dazu, die Wohnung auf Hochglanz zu bringen. Ich habe einfach mehr Zeit zur Verfügung. Wie wäre es damit: Corona-Glanz auf allen Flächen, Viren töten kein Verbrechen! Na ja, ich bin eben Lerntherapeutin und keine Werbefachfrau.

Mehr Zeit zum Putzen und Aufräumen

Nach dem Kochen oder dem Essen ist immer noch ausreichend Zeit, um alles wegzuräumen und auszuwischen. Es gibt keine Ausrede mehr, dass ich schnell weg muss, weil das Büro oder ein Treffen mit Freunden ruft. Die Spülmaschine läuft regelmäßig, der Mülleimer quillt nicht mehr über und sogar die Fenster sind geputzt, selbstverständlich arbeitsteilig. Auch die Krempel-Ecken meines Mannes werden ordentlicher, der Keller nimmt Haltung an und die Wäsche wird plötzlich stets zeitnah versorgt, Dank dem Corona-Glanz.

Selbst der Kater hilft beim Wäsche machen

Corona hat auch gute Seiten

Corona hat mein Leben verlangsamt und hat es auch ein bisschen bereichert. Natürlich habe Sorge um meine Eltern und meine Kinder, aber das darf nicht den ganzen Tag bestimmen. Ich versuche auch die positiven Aspekte zu sehen.

  • Draußen ist es viel ruhiger als früher. Es stört mich nicht, dass der Verkehr in unserer Straße massiv abgenommen hat. Im Gegenteil, jetzt kann ich die Balkontür oder das Fenster auflassen und fühle mich nicht von lauten Motoren oder pulsierender Musik aus Autoradios genervt.
  • Auch am Himmel sieht es anders aus. Es gibt keine Kondensstreifen mehr und Flugzeuge sind kaum noch zu sehen. Es ist ruhig geworden in Deutschland, und in vielen Wohnungen auch sauberer.

Hier sehe ich selten nach dem Rechten

Heute habe ich mir die Schublade mit den Lebensmittelvorräten vorgenommen. Ich gestehe, in den Ecken lagen einzelne Linsen, ein paar abgebrochene Nudeln, einige Haferflocken und Mehl. Diese Schublade ist jetzt blitzblank und alle Vorräte sind ordentlich sortiert. Und selbstverständlich werde ich endlich mal die Hirse aufbrauchen, die ich mir vor Monaten mal gekauft habe. Vielleicht in Verbindung mit den Rosinen, im Internet gibt es dazu sicherlich viele Rezepte.

Jeden Abend gehe ich jetzt spazieren und genieße den frischen Duft, den nicht nur der Frühling sondern auch die fehlenden Autoabgase verursachen. Und irre ich mich, oder gibt es inzwischen auch weniger Raucher? Strahlt etwas Corona-Glanz in dieser surrealen Zeit auf uns alle ab?

Küche sauber
Wir schaffen das!

Sorgen kann ich mir auch morgen noch machen

Ja, das Geld wird natürlich auch bei uns knapp. Und wenn sich die Situation noch viele Monate hinzieht, werden wir große Probleme bekommen und vielleicht unsere Miete nicht mehr bezahlen können. Aber andere Dinge haben sich verbessert. Wir haben sehr viel mehr Zeit für einander, skypen regelmäßig mit Verwandten und Freunden und tauschen uns nahezu täglich mit den inzwischen erwachsenen Kindern aus. Wir halten alle zusammen und machen uns gegenseitig Mut. Ich finde das schön!

Natürlich würde ich ohne das Internet und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation ganz schnell wahnsinnig werden, aber diese Gefahr besteht ja nicht. Ich kann also jederzeit in meine blitzblanke Küche gehen, mir einen leckeren Kaffee oder Tee zubereiten und dann via Skype mit meinen Liebsten chatten. Einmal in der Woche wage ich mich nach draußen in einen Supermarkt. Ich kaufe frisches Gemüse, Obst, Nudeln und manchmal sogar Klopapier. Das Einkaufen ist dieser Tage ein echtes Abenteuer, sozusagen das Highlight der Woche.

Corona ist merkwürdig, aber auch hilfreich

Es ist eine merkwürdige Zeit und sie wird noch eine Weile andauern. Aber irgendwann haben wir das Virus überwunden und machen einen Neustart. Ich wünsche mir, dass wir viel aus diesen Wochen und Monaten gelernt haben. Weniger Flugreisen machen, Meetings online organisieren, vielleicht ein oder zwei Tage die Woche Home Schooling anbieten und alles etwas langsamer angehen.

Übrigens: Viele Schülerinnen und Schüler finden das Arbeiten Zuhause wundervoll. Sie haben weniger Zeitdruck, sehen ihre Eltern viel öfter und leiden weder unter Mobbing noch unter Leistungsdruck. Ganz nebenbei lernen die Kinder den Wert der Arbeit ihrer Eltern schätzen, fühlen sich wertvoll und wichtig bei der Bewältigung von Arbeiten im Haushalt und finden Spaß daran, selber zu kochen und essen frisch zuzubereiten.