Social media: Toleranz ist ein Fremdwort und Diskussionen gibt es nicht mehr

Da schreib ich mal was…

Es ist grauenvoll! Sobald in den sozialen Medien ein kontroverses Thema angesprochen wird, treten Intoleranz, Inkompetenz und Ignoranz auf den Plan. Ganz besonders, wenn es um Einschränkungen einzelner zum Wohle der Gemeinschaft geht. Die scheint zunehmend lästig zu sein. Ich möchte gerne glauben, dass es sich hier nur um Bots handelt, die automatisch mit wilden Beschimpfungen und Schmähreden reagieren. Doch das ist wohl ein frommer Wunsch, denn social media kennt keine Grenzen.

Update von der Propagandahexe

18.10.2020 Dieser Beitrag ist noch keine 3 Tage alt, da muss ich mich schon wieder zu Wort melden. Auch ich bin zunehmend von Pöbeleien, Beleidigungen und sogar Drohungen betroffen.

Das betrifft insbesondere meinen YouTube Kanal, aber erst in letzter Zeit. Von den insgesamt über 600 Videos, die ich bisher veröffentlicht habe, gibt es nur zwei oder drei, die solche Kommentare provozieren.

Klar, es ist ja auch wirklich schwierig, Themen rund um die deutsche Rechtschreibung und Grammatik als staatsgefährdend und grundrechtfeindlich zu verunglimpfen. Wer jedoch nach bestimmten Keywords sucht, wird auch bei mir fündig. Dabei geht es natürlich um Corona (aber auch erst seit ca. vier Wochen) und um das Thema Querdenker-Demos.

Obwohl ich mich bei jedem Video darum bemühe objektiv und sachlich zu sein, rufen kontrovers Themen einen kleinen Prozentsatz von Usern dazu auf, ihren individuellen und unreflektierten Mist zu posten. Allen gemein ist, dass sie das Video weder verstanden haben noch sachlich dagegen argumentieren (können). Ich wurde schon als Kommunistin bezeichnet, als Kinderhasserin und nun auch noch als Propagandahexe. Wobei mir die Wortschöpfung durchaus gefällt, die Geisteshaltung dahinter jedoch nicht.

Leider musste auch ich nun die Kommentarfunktion eines Videos schließen…. Reißt euch doch mal ein bisschen am Riemen und versucht wenigstens, alle Chancen zu nutzen, die euch unser freies, offenes und reiches Land bietet. Ihr Gehirnzwerge!

Propagandahexe auf Stimmenfang

Update Ende.

Reizthemen bringen das Schlechte zum Vorschein

Fast schon mit schöner Regelmäßigkeit müssen Kommentarfunktionen geschlossen werden und Moderatoren sich für eine Weile aus ihren Foren zurückziehen. Zu den absoluten No-Go Themen beim Medienverhalten gehören zum Beispiel

  • Maskenpflicht und Hygieneplan in der Öffentlichkeit oder in Schulen
  • Beherbergungsverbot
  • Querdenker Demos
  • Fridays for Future
  • Verhalten von Lehrern, Eltern oder Schülern

Social Media: Harmlose Fragen werden Geschosse

Meistens fängt es ganz harmlos an. Ein besorgter, verärgerter oder irritierter User formuliert eine Frage oder schildert eine Situation, die nun eifrig diskutiert und kommentiert wird. Dabei ist fast schon ein exponentielles Wachstum zu beobachten. Das betrifft nicht nur die Menge der Kommentare, sondern auch deren Qualitätsverlust. Der ursprüngliche Post ist nach kurzer Zeit vergessen, es geht nur noch ums Rumpöbeln auf niedrigem Niveau – Rechtschreibfehler und mieser Stil inbegriffen.

Beispiel: Maskenpflicht in der Schule

Unbestritten steigen die Infektionszahlen zur Zeit sehr stark an. Das besorgt nicht nur Politikerinnen und Politiker, sondern auch viele ganz normale Menschen, die hinter den Corona-Maßnahmen stehen. Diese halten sich mit ihren Kommentaren in den sozialen Medien in der Regel zurück, tragen ihre Masken und versuchen sich und andere zu schützen. Die anderen, eine Minderheit, kotzt ihre ach so wertvolle, private Meinung der ganzen Community gerne vor die Füße .

Fakten interessieren bei social media kaum noch

Übersteigt die Infektionsrate ein gewisses Niveau, sollen auch im Unterricht wieder Masken getragen werden. Ein Jubelthema für gelangweilte Facebook-Surfer, denen das Verstehen von komplexen Zusammenhängen zu schwierig ist. Handelt es sich bei der Maskenpflicht doch ganz augenscheinlich um Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, um einen unnötigen Zwang und natürlich auch um eine Missachtung der Grundrechte. Schlimmer geht es kaum noch, oder?

  • Das eigene Kind leidet sofort unter Kopfschmerzen und wird entschuldigt, wenn es eine Maske tragen muss. Alternativen werden weder ausprobiert noch angedacht.
  • Die Viren und Bakterien in der feuchten Maske führen angeblich zu schweren Krankheiten und sind daher ein Angriff auf das Körperwohl.
  • Viele Eltern wollen sich nicht vorschreiben lassen, dass ihre Kinder eine Maske tragen müssen. Sie wollen selber entscheiden, wie sie gegen die Pandemie angehen.
  • Ständiges Lüften und offene Fenster im Klassenraum werden abgelehnt, da so Erkältungskrankheiten gefördert würden und Unterricht nicht möglich sei.
  • Natürlich wird Corona verharmlost und die öffentliche Debatte stark kritisiert.
  • Und, und, und….

Persönliche Beleidigungen gehen immer

Wenn die fadenscheinigen Argumente ausgehen (das geht blitzschnell) , wird gegen die anderen Kommentatoren geschossen. Deren Erziehungskompetenz wird angezweifelt, manchmal auch die Liebe zu ihren Kindern und natürlich ihre geistige Gesundheit. Lehrerinnen und Lehrer werden als obrigkeitshörig bezeichnet, alternativ auch als faules Pack oder überengagierte Pädagogen-Maden. Spätestens an diesem Punkt wird die Kommentarfunktion abgeschaltet und der Moderator verabschiedet sich in einen Kurzurlaub.

So lernen unsere Kinder ganz bestimmt nicht

Am liebsten würde ich solche Diskussionsrunden verbieten, aber ich kann mich noch beherrschen. Trotzdem – auch wenn es sich nur um eine Minderheit handelt, möchte ich nicht, dass die Kinder und Jugendlichen solche Umgangsformen in solch einem Umfang mitbekommen. Schließlich sind wir Erwachsenen Vorbilder, auch wenn es seit einiger Zeit nicht mehr so aussieht.

Hast du das gelesen?

Was ich mir wünsche?

  • Zunächst einmal wäre es doch wirklich schön, wenn gepostet Beiträge oder Meinungen gelesen und verstanden werden würden. Anschließend darf man ruhig mal 5 Minuten darüber nachdenken, bevor die hyperaktiven Daumen einen geharnischten Kommentar in die Tasten tippen.
  • Toll wäre es auch, wenn sich der Kommentar wirklich auf den Beitrag beziehen würde. Wenn die eigenen Argumente entweder als Meinung gekennzeichnet oder durch Fakten unterlegt werden würden.

Weltfrieden und keine Hungersnot

Das ist mein größter Wunsch, aber besseres Benehmen steht auch ganz weit oben. Selbstverständlich darf jeder Stellung beziehen und seine Ansichten darstellen, auch bei social media. Doch das geht auch ohne andere zu beleidigen, zu beschimpfen oder schlecht zu machen. Einfach die eigene Meinung auf Augenhöhe den anderen gegenüberstellen. Kommen dann noch tolle Argumente hinzu und verlässliche Fakten, werden die Leser quasi nebenbei überzeugt.

Das Leben ist kein Wunschkonzert, und Social Media erst recht nicht

Von dieser Vision einer besseren Online-Welt kommen wir immer weiter ab. Statt Faktencheck, sachlicher Argumentation, Toleranz und Meinungsfreiheit werden die Autoren und Kommentatoren beleidigt, mit unverschämten Emails traktiert und manchmal sogar persönlich angerufen und bedroht.

Social media – Segen und Fluch zugleich…

Geht doch nach Amerika und schließt euch Trump an!

Ja, das meine ich wirklich ernst. Wer solch ein Umgangsstil pflegen möchte, hat in Donald Trump ein wirklich tolles Vorbild. Gemeinsam mit dem alten weißen (orangen) Mann kann er Frauen beschimpfen, rassistische Äußerungen verbreiten, Corona leugnen, Steuern hinterziehen und gegen Ausländer hetzen. Fakten, Moral oder Toleranz sind hier absolut nicht gefragt. Hier gilt das Recht des Stärkeren.

Fazit: Was du nicht willst, was man dir tu, das füg´ auch keinem anderen zu!

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