Wie gut liest Ihr Kind?

Leseentwicklung: Auf welcher Stufe steht Ihr Kind

In Deutschland gelten über 7 Millionen Erwachsene als sogenannte funktionale Analphabeten. Alle haben in der Schule lesen und schreiben gelernt, sind aber auf einer bestimmten Stufe stehen geblieben. Sie haben große Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Wie fit ist Ihr Kind im Lesen?

Wenn ein Kind in die erste Klasse kommt, kennt es meistens schon ein paar Buchstaben. Es kann seinen Namen schreiben (das ist eher ein Malen) aber in der Regel noch nicht sinnentnehmend lesen. In den ersten Schuljahren ist das Lesen eine wichtige Kernkompetenz, die intensiv gefördert wird. Manche Kinder erlernen das Lesen sehr schnell, andere tun sich noch in der dritten Klasse schwer damit.

Legastheniker lernen Bücher auswendig

Schülerinnen und Schüler, die unter einer Legasthenie leiden, können mit dem Leben lebenslang Probleme haben. Da diese Schwierigkeiten nichts mit ihrer Intelligenz zu tun haben, sind sie sehr clever im Kompensieren. Sie lernen die Texte einfach auswendig und tun so, als ob sie sie lesen könnten. Diese kluge Strategie geht nicht mehr auf, wenn die Texte umfangreicher und komplexer werden. Spätestens dann brauchen die Kinder die Hilfe von Fachleuten.

Manche Kinder lesen einfach nicht gerne

Viele Jungen und auch einige Mädchen finden keine richtige Freude am Lesen. Weil sie diese Fähigkeit nicht trainieren, wird auch ihr viel Lesefluss nicht besser. Mühsam erlesen sie sich jedes Wort, sodass sie keine Kapazitäten mehr haben, um Freude an der Gesamtgeschichte zu finden. Immer wieder vergessen sie, was in den vorherigen Sätzen gestanden hat.

Wie gut liest Ihr Kind?

Leichter lesen lernen

Die folgende Tabelle orientiert sich an den Entwicklungsstufen des Lesenslernens nach Renate Valtin, eine deutsche Erziehungswissenschaftlerin.

Was kann Ihr Kind schon?Stufe
Erkennt Ihr Kind seinen eigenen Namen?2
Erkennt Ihr Kind einzelne Buchstaben?3
Errät Ihr Kind Wörter anhand ihres Anfangsbuchstabens?3
Kann Ihr Kind die meisten Groß-Buchstaben in Druckschrift erkennen?4
Kann Ihr Kind die Großbuchstaben und die Kleinbuchstaben erkennen?4
Liest Ihr Kind Wörter, erkennt aber deren Bedeutung nicht?4
Kann Ihr Kind Silben erlesen? Dabei benötigt es oft noch viel Zeit, muss den Anfang noch mal
lesen, um die Bedeutung zu verstehen.
5
Kann Ihr Kind ein Wort langsam erfassen und nach und nach auch mit Bedeutung füllen?6
Beginnt Ihr Kind das Lesen langsam zu automatisieren? Das bedeutet, dass es bekannte
Buchstabenverbindungen und einfache Worte schnell erfasst?
6
Kann Ihr Kind sich jetzt voll und ganz auf den Inhalt des gelesenen Textes einlassen? Baut es
eine Erwartung über die Weiterführung des Satzes auf?
6
Erkennt Ihr Kind grammatikalisch und inhaltlich passende Wörter immer schneller?6
Liest Ihr Kind flüssig, schnell und betont?6
Kann Ihr Kind den flüssig gelesenen Text wiedergeben? Hat es verstanden, was es liest?6

Auswertung: Je nachdem auf welcher Lesestufe Ihr Kind steht, hat es noch einen weiten Weg bis zum Ziel vor sich. Um seine Lesefähigkeiten zu verbessern, braucht ein Kind individuell passenden Lesestoff, der nicht zu schwer, aber auch unterhaltsam, lustig oder spannend ist.

Lesen lernt Ihr Kind nur durch lesen

Wenn Ihr Kind sich mit dem Lesen noch schwer tut, brauchen Sie viel Geduld. Richten Sie jeden Tag feste Lesezeiten von zehn bis 15 Minuten ein, an denen Ihr Kind üben kann. Lesen Sie sich gegenseitig etwas vor, diskutieren sie über schwierige Wörter und loben Sie stets die Bemühungen Ihres Kindes.