3 Gründe, warum dein Kind zum Außenseiter wird

Das Lebensumfeld Schule mit seinen eigenen Regeln und oft unausgesprochenen Vorschriften führt immer wieder dazu, dass sich gleichgesinnte Kinder zu kleinen Gruppen zusammenschließen. Diese „Cliquenwirtschaft“ macht Spaß, wenn ein Kind sich akzeptiert und angenommen fühlt. Schlimm dagegen ist es für Außenseiter und Außenseiterinnen, die es nicht schaffen, sich zu integrieren.

Außenseiter gibt es fast in jeder Klasse

In den meisten Schulklassen finden sich Kinder, die von den anderen ausgegrenzt werden. Sie sind unbeliebt, nicht akzeptiert und finden einfach den Anschluss an die Klassengemeinschaft nicht. Diese Mädchen und Jungen leiden unter dem Zustand, denn jeder Mensch ist in erster Linie ein Gruppenwesen, das sich in Gegenwart anderer wohl fühlt und ein Teil der Gemeinschaft sein möchte. Die Schule nimmt einen großen Raum der Lebenswelt von Kindern ein, umso wichtiger ist es, dass der Schulalltag für sie nicht nur erträglich sondern auch erstrebenswert und angenehm ist. Für Außenseiter ist es oft nicht so. Sie kämpfen jeden Tag aufs Neue verzweifelt um die Anerkennung der Gruppe und leiden nicht selten auch unter Mobbing.

Außenseiter gibt es überall
Die gehört nicht zu uns.

Eigendynamik nicht unterschätzen

Dabei ist dieser Kampf oft aussichtslos, denn die betroffenen Kinder wissen meistens gar nicht, was sie falsch machen. Und selbst wenn ihnen von den anderen Kindern Gründe genannt werden, so können sie die Ursachen nicht verändern. “Du bist eben komisch!“ „Du sprichst so anders!“ „Du bist dick!“ Welches Grundschulkind kann an diesen Eigenschaften selber etwas ändern? Keines! Häufig sind die genannten Gründe auch gar nicht die echten, denn ein Kind in eine Außenseiterrolle zu drängen, bekommt schnell eine gewisse Eigendynamik. Dann geht es längst nicht mehr um echte Gründe, sondern die Außenseiterrolle selber macht es der Klasse unmöglich, das Kind wieder zu integrieren. Dass das Lernen darunter leidet, versteht sich von selbst.

Betroffene Kinder schämen sich

Sie empfinden das Außenseitersein als einen Makel und erzählen oft nicht mal ihren Eltern davon. Werden sie geschickt ausgegrenzt, bekommen sogar Lehrerinnen und Lehrer manchmal von der Situation kaum etwas mit. Auf Nachfrage leugnen sie ihr Problem und erklären, es wäre alles in bester Ordnung. Dabei ist die Hilfe von Außen, also von Elternhaus und Schule, ganz wichtig, um an dem Zustand etwas zu verändern. Um zu erkennen, ob ein Kind ein Außenseiter in seiner Schulklasse ist, hilft die folgende Checkliste.

Checkliste Außenseiter

 JaNein
Geht ein Kind nicht gerne in die Schule?  
Wird ein Kind selten oder nie von Klassenkamerad*innen eingeladen?  
Wird das Kind selten oder nie von Klassenkamerad*innen besucht?  
Erzählt ein Kind selten oder nie etwas Positives aus dem Schulalltag?  
Ist ein Kind häufig traurig, wenn es aus der Schule kommt?  
Besteht das Kind manchmal fast mit Verzweiflung auf bestimmte Dinge (Markenkleidung, Smartphone)?  
Benimmt sich das Kind im Unterricht auffällig?  
Ist das Kind leistungsmäßig ständig unter- oder überfordert?  
Gibt es besondere Punkte, in denen sich das Kind von den anderen unterscheidet (z.B. sehr klein, sehr groß, sehr dick, sehr unsportlich)?  
   
Checkliste Außenseiter

Auswertung

Bei 3 und mehr Ja-Antworten steht ein ruhiges Gespräch mit deinem Kind an. Sei geduldig und übe keinen Druck aus.

  • Hast du einen guten Freund in der Klasse?
  • Wer ist das?
  • Möchtest du deinen Freund nicht einmal einladen?
  • Was machst du in den Pausen?
  • Spielst du mit anderen Kindern?
  • Mit wem spielst du denn?
  • Meldest du dich im Unterricht?
  • Hast du dich heute gemeldet?
  • Bist du auch aufgerufen worden, konntest du deinen Beitrag leisten?
  • Wen magst du am meisten aus deiner Klasse?
  • Fühlst du dich gut im Unterricht?
  • Fühlst du dich akzeptiert von der Klasse?
  • Unterhältst du dich mit den Klassenkameraden in der Schule?
  • Hat dich schon einmal jemand gehänselt?
  • Hast du schon einmal gehört wie jemand über dich sagte, du seist zu dick, zu klein, zu unsportlich, zu groß…..

Tipp für Eltern: Beobachten und nachfragen

Vielleicht erfährst du nicht gleich im ersten Gespräch genau, wie es deinem Kind in der Klasse ergeht. Mit der Zeit merkt es jedoch, dass du dir ernsthaft Sorgen machen und ihm bei Problemen zur Seite stehen möchten. Bleibe also unbedingt dran, wenn sich die Anzeichen für eine Ausgrenzung deines Kindes nicht zerstreuen lassen. Parallel solltest du unbedingt das Gespräch mit der Lehrkraft suchen und auch hier gezielt nachfragen:

  • Wie verhält sich mein Kind im Unterricht, meldet es sich?
  • Hat es mindestens einen Freund / eine Freundin?
  • Mit wem trifft es sich in den Pausen?
  • Wollen andere Kinder neben ihm sitzen?
  • Wird es im Sportunterricht integriert? In Mannschaften gewählt?
  • Wie ist es bei Gruppenaufgaben, wird mein Kind in die Gruppen aufgenommen?
  • Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass mein Kind gehänselt wird?
  • Unterscheidet sich mein Kind im Verhalten auffällig von den anderen?

Hilfe für den Außenseiter

Sobald du weißt, warum dein Kind in der Klasse einen schweren Stand hat, kannst du auch gegensteuern. Besonders in der Grundschule haben sich solche Positionen oft noch nicht verhärtet und sind mit etwas Einfühlungsvermögen leichter aufzubrechen. In ganz schweren Fällen kann es sinnvoll sein, ein Kind von der Schule zu nehmen und ihm einen Neustart in einer anderen Klassengemeinschaft zu ermöglichen. Meistens sind die Probleme aber zu lösen und die Außenseiterrolle bleibt dann eine kurze Episode ohne weitere Folgen. In der Regel benötigst du dabei die Hilfe der Lehrerinnen und Lehrer, um den Stand deines Kindes in der Klasse zu verbessern. Hilfreich ist es beispielsweise, wenn die Kinder über einen längeren Zeitraum Arbeitsgruppen bilden müssen, in denen einer auf den anderen angewiesen ist. Auch Klassenfahrten oder andere gemeinsame Unternehmungen geben den Außenseitern die Möglichkeit, sich zu bewähren und in anderen Situationen als im Unterricht Kontakte aufzubauen und zu festigen. Zu offensichtlich darf die Unterstützung der Lehrkraft aber nicht ausfallen, denn dann wird der Außenseiter nur noch mehr ausgegrenzt werden.

3 Hauptgründe für das Ausgrenzen von Kindern

Ursache 1: persönliche Gründe

Ist ein Kind zu dick, zu groß, zu unsportlich, sehr schüchtern oder hat es andere körperliche Merkmale, die Anlass zu Spott geben, muss mehrgleisig vorgegangen werden. In der Schule sollte Ausgrenzung zum Thema gemacht werden. Das geht zum Beispiel mit der Lektüre entsprechender Bücher (Die Vorstadtkrokodile u.a.), in denen Kinder mit Besonderheiten vorgestellt und mit positiven Eigenschaften belegt werden.

Gleichzeitig sollte zu Hause überlegt werden, ob gewisse körperliche Besonderheiten wie Übergewicht oder Unsportlichkeit, langsam verändert werden können. Dabei muss aber gleichzeitig vermittelt werden, dass es nicht um die Veränderung einer Persönlichkeit, sondern nur um, allerdings gesundheitsfördernde, Äußerlichkeiten geht.

Ursache 2: familiäre Gründe / Erziehungsverhalten

Manchmal werden Kinder ausgegrenzt, weil sie sich aus Unkenntnis nicht den gängigen Trends anschließen können. So wird ein Kind ohne „Medienerfahrung“ möglicherweise gehänselt, weil es über die neusten Serien nicht mitreden kann oder ein wichtiges Fußballspiel nicht sehen konnte. Dieses Kind hat ja nicht die Möglichkeit, sich selbstbewusst gegen die Medien zu entscheiden, weil diese Entscheidung seine Eltern (in bester Absicht) getroffen haben. Es fühlt sich also oft völlig zu Recht als Außenseiter behandelt. Auch manche Verbote, zum Beispiel wenn ausländische Eltern ihren Töchtern die Teilnahme an Sportveranstaltungen oder Klassenfahrten verbieten, führt leicht zu Ausgrenzungen.

Hier hilft eine Lockerung der familiären Regeln, damit das Kind eine Chance bekommt, sich in die Gruppe zu integrieren.

Ursache 3: Leistung

Immer wieder werden Schülerinnen und Schüler auch ausgegrenzt, wenn sie das Leistungsniveau der Klasse grob über- oder unterschreiten. Ständige Misserfolgserlebnisse bei Tests und Klassenarbeiten lassen das Selbstbewusstsein des betroffenen Kindes auf Dauer sinken und führen zu Verhaltensauffälligkeiten. Um sich trotz der Leistungstiefs ihren Platz in der Klassengemeinschaft zu erhalten, werden die Schulkinder aggressiv, machen im Unterricht Unsinn oder ziehen sich völlig in sich selbst zurück. Auch unterforderte Kinder werden auf Dauer ausgegrenzt, denn sie halten den anderen ja unbewusst stets ihre schwächere Leistung vor. Manche Hochbegabte Kinder entziehen sich dieser Ausgrenzung, indem sie sich dümmer ausgeben, als sie wirklich sind.

Stark unter- oder überforderte Kinder brauchen Förderung oder müssen gefordert werden, damit sie ihren Platz in der Klassengemeinschaft finden können, ohne dass die Gruppe darunter leidet. Gelingt dies nicht, so ist auch hier über einen Klassen- oder Schulwechsel nachzudenken.

Außenseiter*innen können auch stark sein

Es gibt auch Kinder, die Außenseiter sind, aber unter dieser Rolle nicht leiden. Extreme Einzelgänger sind Kinder zwar selten, aber es gibt sie ab und zu wirklich. Sie genügen sich selbst und empfinden es nicht als Problem, dass sie keinen engeren Kontakt zu ihren Klassenkameraden finden. Solche Jungen und Mädchen sind oft sehr speziell, sie haben ausgefallene Interessen und beschäftigen sich am liebsten alleine mit ihren Hobbies. Bei diesen Kindern sollten Eltern dafür sorgen, dass der Kontakt zu anderen zumindest ab und zu stattfindet, damit sie nicht ganz den Anschluss an ihre Klasse oder an Gleichaltrige verlieren.


Mein Tipp: Nicht verstecken

Frage ruhig auf dem nächsten Elternabend mal nach, ob es Kinder gibt, die sich in der Klasse nicht wohlfühlen. Dazu gehört natürlich etwas Mut, denn es könnte ja durchaus sein, dass nur dein Kind betroffen ist. Trotzdem sensibilisierst du damit andere Eltern, die wiederum auf ihre Kinder Einfluss nehmen können. Und falls es noch einen Außenseiter gibt, kannst du die beiden Kinder schon mal zusammenbringen.