Flipped Classroom – wie gut ist die neue Unterrichtsmethode?

Die Bildungslandschaft verändert sich und neue Konzepte sind gefragt. Eines davon ist der Flipped Classroom, der den Lernprozess grundsätzlich umdrehen möchte. Klassischer Unterricht ist in deutschen Schulen noch immer Frontalunterricht, bei dem die Lehrenden den Schülerinnen und Schülern die Lerninhalte erklären. Projekte sind selten, neue Konzepte auch.

Frontalunterricht erreicht nicht alle

Natürlich weiß man inzwischen längst, dass diese Informationen nicht jeden in der Klasse erreichen. Je älter die Kinder und Jugendlichen sind, desto schneller rauscht der Monolog der Lehrkräfte an ihnen vorbei. Diese Form des Unterrichten ist weder individuell noch kreativ. Es geht einfach nur um das Nachvollziehen der Erklärungen und das Wiederholen und oft auch Auswendiglernen der Inhalte. Bei den Hausaufgaben zu Hause wird dann nur das bereits gelernt wiederholt. So soll es jedenfalls sein.

Flipped Classroom dreht das Prinzip um

Beim Flipped Classroom wird dieses Prinzip umgedreht. Der Grund für eine neue Unterrichtsmethode sind die Mängel des Frontalunterrichts.

  • Er ist nicht individuell und erreicht längst nicht alle Schülerinnen und Schüler.
  • Oft fehlt im Unterricht die Zeit, das erklärte auch ausreichend zu verarbeiten, zu hinterfragen und zu festigen.
  • Bei den Hausaufgaben sind Schülerinnen und Schüler dann alleine, können Fragen nicht zufriedenstellend beantworten.

PädagogInnen und WissenschaftlerInnen versuchen mit dem neuen Konzept des Flipped Classroom diesen Prozess umzudrehen. Ein neues Thema wird von den Schülerinnen und Schülern zu Hause eigenständig erarbeitet und dann im Unterricht mit verschiedenen Methoden und Aufgabenstellungen differenziert geübt. Sie nutzen dabei spezielle Lernvideos, Lehrbücher und Arbeitsblätter, die gut vorbereitet sind. So wird das Gelernte in der Schule vertieft und die weiterführenden Zusammenhänge gemeinsam erarbeitet.

Infografik über die Lernmethode Flipped Classroom

Infografik darf unter Nennung der Quelle mit Link benutzt und geteilt werden.

In der Praxis kann dieses Prinzip wie folgt umgesetzt werden.

  1. Zunächst haben die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich ein oder mehrere Erklärvideos zu einem neuen Thema anzusehen.
  2. Anschließend bearbeiten Sie das Thema mit Aufgabenblättern, die sie vorab in der Schule ausgeteilt bekommen haben.
  3. Im Unterricht dann können auftretende Fragen mit den Lehrkräften diskutiert und gelöst werden.

Was sind die Vorteile des Flipped Classrooms?

  1. Jede Schülerin und jeder Schüler kann zu Hause in seinem Tempo lernen. Ein Lernvideo oder ein Text können so oft angesehen werden, wie es notwendig ist. Dabei muss keine Rücksicht auf die Klasse genommen werden.
  2. Außerdem kann der Zeitpunkt der Vorbereitung frei und individuell gewählt werden. Sobald sich am Nachmittag ein freies Zeitfenster ergibt, kann mit der Vorbereitung begonnen werden. Der Vorteil davon ist, dass die Motivation steigt.
  3. Im Unterricht steht dann der gesamte Klasse viel Zeit zur Verfügung, das Thema zu vertiefen. Schwierige Aufgaben und Problemstellungen, die sich bei der Vorbereitung herauskristallisiert haben, können dann im Unterricht bearbeitet werden.
  4. Die Lehrkräfte bekommen ein individuelles und differenziertes Bild von den Leistungen der einzelnen SchülerInnen. Auch für das individuelle Feedback steht mehr Zeit zur Verfügung.

Mein Tipp: Padlet als gemeinsame Plattform nutzen

Mit einer passenden digitalen Unterstützung wie beispielsweise der Software Padlet können sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte gemeinsam an der Aufgabe arbeiten. Das Padlet ist eine digitale Tafel, auf der jeder Inhalte einstellen kann. Hier können gute Videos zum Thema, Arbeitsblätter und Fragen gesammelt und bearbeitet werden.

Was sind die Nachteile des Flipped Classrooms?

  1. Da es sich um eine neue Methode handelt, müssen sich sowohl die Lehrkräfte als auch die Lernenden erst langsam daran gewöhnen. Das kostet Zeit.
  2. Ohne eine sorgfältige Vorbereitung durch die Lehrkräfte funktioniert das Prinzip nicht.
  3. Passgenau Lehrvideos und Arbeitsblätter sind absolut notwendig, um die Vorbereitung und das Lernen zu Hause möglich zu machen.
  4. Eine digitale Begleitung, aber auch das Ansehen aktueller Lernvideos im Internet, steht und fällt mit dem Zugang zu diesen Hilfsmitteln. Alle Schülerinnen und Schüler brauchen den Internetzugang und die entsprechenden technischen Geräte und Voraussetzungen.

Fazit: Unbedingt ausprobieren

Beim Flipped Classroom ist es sehr viel einfacher, die Schülerinnen und Schüler für neues Thema zu motivieren. Sie erarbeiten selber Inhalte und können diese im Unterricht präsentieren. Der Lernprozess wird dadurch vertieft. Je aktiver sich Schülerinnen und Schüler mit einem Thema auseinandersetzen, je mehr Fragen Sie dazu haben, desto wird die Information bei Ihnen verankert.

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