Lernmethode Erzählsteine: Das lieben Kinder

Erzählsteine
Erzählsteine von Astrid Breiteneder-Pepöck

Mit Erzählsteinen gelingt unterhaltsames und nachhaltiges Lernen in Kombination mit Fantasie und Ideenreichtum. Kreativität wird beim Lernen ganz groß geschrieben, und das ist auch richtig so. Zu jeder Jahreszeit ist ein Erzählstein eine super Beschäftigungsmöglichkeit. Doch beginnen wir mal am Anfang. Was sind Erzählsteine eigentlich und warum sind sie immer wieder so beliebt?

Erzählsteine sind Tausendsassas

Erzählsteine sind Steine, die mit einfachen Motiven bemalt oder beklebt werden. Dazu eignen sich Acrylfarben, Lackstifte, Acrylstifte oder auch Folienbilder oder Bildchen. Ihre Verwendungsmöglichkeit ist sehr groß und wird von fast allen Schülerinnen und Schülern gerne angenommen. Da sie mit wenig Material und viel Spaß selber hergestellt werden können, eignen sie sich für die Arbeit zu Hause und in der Schule. Die Erzählsteine werden manchmal auch Wettersteine genannt – vielleicht weil man sich bei jedem Wetter damit beschäftigen kann. Als Förderspiel sind sie unschlagbar, daher passen sie auch wunderbar zu Montessori Konzepten.

So werden Erzählsteine „geboren“

Zunächst einmal müssen die Steine besorgt werden. Bei einem schönen Spaziergang am Fluss, im Feld oder im Wald finden sich immer passende Steine, die nicht zu groß und nicht zu klein sein sollten. Waldkinder wissen genau, wo sie schöne Steine finden können. Selbstredend ist auch eine glatte Oberfläche für das Bemalen oder Bekleben erwünscht. Beim Sammeln der Steine ist deren Farbe nicht wichtig, allerdings sollten Sie eine möglichst glatte Fläche vorweisen können, die gut zu bemalen ist.

Spaß von Anfang bis Ende mit Erzählsteinen

Schon das Sammeln der Steine macht den Kindern riesigen Spaß, es ist ein lehrreiches Spiel und auch eine Spielidee für den nächsten Ausflug oder Geburtstag. Dabei sind sie an der frischen Luft und bewegen sich, sie lernen die Natur besser kennen und entdecken deren Vielfalt. Als gemeinsame Unternehmung mit den Eltern, Geschwistern oder Freunden wird auch der Zusammenhalt der Familie gestärkt. Steine sammeln benötigt keine besonderen Kompetenzen, sodass schon die Kleinsten mitmachen können. Mit ihrer Beute können sie sich dann noch am selben Tag oder erst etwas später lange beschäftigen.

Erzählsteine suchen

Später geht es an die Gestaltung

Zuhause angekommen werden die Steine gesäubert, gewaschen und getrocknet. Dann kann schon mit dem Gestalten begonnen werden. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • die Steine werden mit verschiedenen Farben bemalt, zum Beispiel Wasserfarben, Filzstifte oder Acrylstiften
  • die Steine werden mit vorher ausgeschnittenen passenden Bildern beklebt, beispielsweise aus Comics oder Werbeprospekten, auch die Serviettentechnik mit dem speziellen Serviettenkleber ist möglich

Wenn die Erzählsteine fertig bemalt oder beklebt sind, können sie noch mit einem durchsichtigen Lack fixiert werden. Sind die ersten Steine fertig, kann die Sprachförderung beginnen.

Welche Bilder oder Motive gehören auf die Erzählsteine?

Bei der Auswahl der Zeichnungen, Bilder oder Grafiken sollten die Kinder auf einfache, klare Symbole achten. Jeder Stein soll ein spezielles Symbol darstellen, beispielsweise einen Himmelskörper, ein Fahrzeug, ein Gebäude, eine Person, ein Spielzeug oder eine Sportart. Dabei kommt es nicht auf künstlerische Perfektion an, sondern das jeweilige Symbol muss einfach nur für andere erkennbar sein.

1. Schritt: Helle, flache Steine suchen, mindestens 10 bis 15.

2. Schritt: Steine säubern, trocken und bemalen oder bekleben. Eventuell mit Lack fixieren.

3. Schritt: Je 5 Steine „blind“ ziehen und dazu eine Geschichte erfinden.

4. Schritt: Geschichte aufschreiben.

Uta Reimann-Höhn, Dipl. Päd.

Und was wird dann mit den fertigen Steinen angestellt?

Erst wenn die Steine fertig sind, wird ihre Funktion als Erzählsteine für die Sprachförderung aktiviert. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass das Anfertigen und Suchen der Steine schon ein wichtiger Teil des Gesamtlernprozesses ist. Die Kinder lernen dabei

  • sich zu konzentrieren
  • etwas in der Gruppe zu unternehmen und auf andere zu achten
  • beim Bemalen trainieren sie ihre Feinmotorik
  • sie werden kreativ beim Aussuchen der einzelnen Bilder
  • sie lernen eine unterhaltsame Alternative zur allgegenwärtigen Medienwelt kennen
Erzählstein Pipi L.

Erzählsteine im Unterricht – das geht prima

  • Im Morgenkreis auslegen und die Kids Ihre Gedanken dazu erzählen lassen.
  • Dinge auf den Steinen nach Alphabet sortieren lassen.
  • Kurzgeschichten schreiben lassen mit je 5 Steinen.
  • Wie ein Memory benutzen, was passt zusammen und aufschreiben lassen.
  • Für ein anderes Kind einen Stein aussuchen und die Wahl begründen.
  • Sich seinen eigenen Motto-Stein malen/machen und darüber erzählen.
  • Wichtigsten, schönsten, interessantesten, merkwürdigsten…. Stein auswählen und begründen.

Der wichtigste Lerngewinn kommt zum Schluss

Wenn die Erzählsteine fertig sind, kommen sie in eine große Kiste und werden dort gemischt. Nun zieht sich jedes Kind mit geschlossenen Augen fünf Erzählsteine aus der Kiste. Diese werden entweder in der gezogenen Reihenfolge hintereinander gelegt oder das Kind darf sich selber eine Reihenfolge ausdenken. Nach einer kurzen Bedenkzeit erzählt jedes Kind eine erfundene Geschichte, in der alle fünf Steine vorkommen.

Die Regeln können ganz individuell angepasst werden. Ist ein Kind mit seinen Steinen nicht zufrieden, darf es sie beispielsweise einmal auswechseln. Oder es darf einen einzelnen Stein wieder zurücklegen und sich dafür einen Ersatz aussuchen. Nun lauschen alle der Geschichte, die sich Aus den verschiedenen Bildern zusammensetzt. Jede Geschichte wird mit einem Applaus belohnt, egal wie lang, kurz, gut oder schlecht sie ist.

Süße Wichtel, auch eine Möglichkeit, Steine zu bemalen

Übung macht den Meister

Anfangs werden die Kinder nur kurze Geschichten erzählen, denn beim Erfinden von Handlungen mit den Erzählsteinen ist viel Fantasie gefragt. Ein großer Wortschatz kann auch nicht schaden. Je öfter ein Kind sich Geschichten ausdenkt, desto besser wird es darin werden. Und sein Wortschatz wird sich erweitern, jedes Mal ein bisschen mehr. Je lustiger und unterhaltsamer die Arbeit mit den Erzählsteinen ist, desto lieber werden Kindergeschichten haben. Und mit ein bisschen Glück begeistern sie sich früher oder später auch für Bücher und haben nicht mehr so große Schwierigkeiten, einen eigenen Aufsatz zu schreiben.